Ruth Linhart | Japanologie | Biographieprojekt Imai Yasuko


Die japanische Frauenbewegung ab 19701


Als Imai Yasuko im Herbst 1977, quasi „feministisch erweckt“, von einem einjährigen Aufenthalt in Wien nach Japan zurückkehrt, empfängt sie ein sehr frauenbewegtes Land. Und bald ist sie selbst auch dabei. Gemeinsam mit Freundinnen arbeitet sie vom ersten Tag bei der Frauengruppe „Hamamatsu Fujin Konwakai“ (Feministischer Salon von Hamamatsu) mit. Ein kurzer journalistischer Streifzug durch die japanische Frauenszene des Sommers 1978 soll die Atmosphäre fühlbar machen, in der Imai Yasuko und ihre Freundinnen agierten. Dann werde ich auf das  vorherrschende japanische Frauenbild der professionellen Hausfrau zu sprechen kommen. Schließlich zeigt ein Überblick über die Frauenbewegung jener Jahre, dass sich die japanischen Frauen damals gegen die Verpflichtung zum Schicksal der Ehefrau, Hausfrau und Mutter aufzulehnen begannen.

1977 war das Jahr der „tonderu onna“, der „fliegenden Frau“. „Tonderu onna“ war das häufigste Schlagwort in den Medien. Gemeint ist die aus dem Haus fliegende Frau, die sich aus den Banden des traditionellen Leitbildes der guten Ehefrau und weisen Mutter befreiende Frau. 2 

Das Frauenthema bestimmte Literaturmarkt und Massenmedien. Die japanische Frauenbewegung der Women´s Lib hatte den Höhepunkt hinter sich, neue emanzipatorische Gruppierungen und Netzwerke formierten sich. Frauen aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen wurden aktiv. Von Regierungsseite aus wurden im Rahmen des UNO-Jahrzehnts der Frau Frauenförderungspläne entwickelt und Gesetze er- bzw. überarbeitet. Dieselben Bücher von Betty Friedan oder Simone de Beauvoir wie bei uns wurden gelesen und unter Frauen breit diskutiert. Das Gefühl, eingeengt und unfrei zu sein, übersehen und nicht anerkannt zu werden und der Wunsch nach Aktivität in der Gesellschaft war bei vielen Frauen latent vorhanden gewesen. Jetzt begannen sie, ihre Kritik zu äußern und sich für die eigene Berufstätigkeit und Frauenanliegen zu engagieren.

Im Sommer 1978 hatte ich die Gelegenheit, eine Reihe interessanter Frauen zu treffen, einen Blick in verschiedene Fraueninstitutionen werfen und ein bisschen etwas von der Aufbruchsstimmung mitzubekommen, die in Bezug auf Frauen damals in Japan herrschte. Ich hatte nämlich das Glück, von der japanischen Botschaft in Wien an das Foreign Press Center in Tokyo quasi akkreditiert zu werden, und dort ebnete mir eine freundliche junge Frau, die ich in meinen Reisenotizen noch „`Fräulein´ Hiramitsu“ nenne, alle Wege.


Shinjuku Lib Center

Ich besuche zum Beispiel die Frauendruckerei Aida Kôbô (Atelier Aida). In diesen Räumen hatte sich bis vor einem Jahr das sogenannte „Shinjuku Lib Center“ befunden, das Zentrum der autonomen japanischen Frauenbewegung. Gegründet wurde das Shinjuku Lib Center 1972, und es hatte zwei Ziele gehabt: Einerseits als Zentralstelle für feministische Aktivitäten zu dienen und anderseits als Zuflucht für Frauen in Not.3 Zudem sollte es auch eine Koordinationsstelle für verschiedene Frauengruppen in ganz Japan sein.4

„Jetzt ist die japanische Frauenbewegung in einem Tal“, erfahre ich von den vier Frauen zwischen 25 und 30, die heute hier wohnen und an den Druckmaschinen arbeiten. „Es gibt noch immer sehr viele Gruppen in Tokyo, aber kein Zentrum mehr.“ 1970 bis 1977 seien für die Bewegung der Women´s Lib hektische Jahre gewesen. Hauptsächlich habe man gegen die Veränderung des Eugenikgesetzes gekämpft, das seit 1948 Abtreibung legalisiert hatte, aber verschärften Bestimmungen unterworfen werden sollte, und um die Freigabe der Pille. Nun müsse man sich neu besinnen.5, 6 

"Die Jahre waren turbulent. Wir wurden zu einer Service-Stelle für Frauen in allen möglichen Notsituationen. Wir haben über Geburtenkontrolle, Abtreibung und Geburt ohne Geld beraten“, sagt eine Frau. Eine der vier ist geschieden und wurde deshalb „von der Verwandtenversammlung aus der Familie geworfen“. Sie hat ein Kind. Die anderen drei Frauen, eine davon ist lesbisch, haben keine Kinder. „Ich hätte gerne ein Kind, aber die Situation ist nicht geeignet dafür“, sagt eine Frau.

In Japan zahlen Krankenkassen in der Regel die Kosten für Geburten nicht, und zwar mit der Begründung „Geburt ist keine Krankheit“. Eine der politischen Forderungen der „Libu“ war es daher, Geburten „umsonst“ zu machen.7 „Teach in´s über den Körper der Frauen wurden veranstaltet und eine Liste der Ärzte aufgestellt, die man empfehlen konnte. Das Shinjuku Lib Center veranstaltete auch ein Filmfestival und es gab eine Übersetzungsgruppe. „Wir haben die Aktivitäten der japanischen Frauenbewegung ins Englische übersetzt und ins Ausland geschickt.“

Vor allem aber organisierten die Frauen das sogenannte „jiritsu no ie“, „Das Haus der Unabhängigkeit“. „Frauen mit Kindern, die niemand hatten, kamen, wir berieten sie, aber die Situation dieser Frauen war sehr schwierig, wir hatten hier wenig Platz und viele gingen zurück zu ihrem Mann.“ Sie berichten mir auch von einem Frauenberatungszentrum der Stadt Tokyo, wo es aber Schwierigkeiten gebe, weil Prostituierte und aus der Familie geflohene Frauen gemeinsam Aufnahme fänden.


Zufluchtstempel für Frauen

In früheren Zeiten konnten Frauen in speziell dafür ausgewählte Tempel fliehen, wenn sie in Bedrängnis waren, die „kakekomidera“ oder „enrikidera“ hießen. Seit April 1977 finanzieren die Stadt Tokyo und das Ministerium für Gesundheit und Umweltschutz das „Frauenberatungszentrum von Tokyo“, das im weitesten Sinn an diese Tradition anschließt. Bei uns heißen die vergleichbaren Einrichtungen „Frauenhäuser“, und in Wien wurde das erste Frauenhaus im Herbst 1978 eingerichtet. 

In dem modernen „Zufluchtstempel“ der Stadt Tokyo fanden im ersten Betriebsjahr 579 Frauen mit und ohne Kinder Unterschlupf. „Frauen fliehen hierher vor gewalttätigen Ehemännern oder wenn sie nach einer Scheidung nicht wissen, wohin“, erfahre ich von der Leiterin. Ein 43-köpfiges Team von Sozialarbeitern, Ärzten und Psychologen sucht gemeinsam mit den Frauen nach Lösungen ihrer Probleme. Die Experten kümmern sich auch um „ambulante“ Fälle, insgesamt 7000 im Jahr. Das betrifft Frauen, die sich mit telefonischer oder persönlicher Beratung begnügen. Wie auch bei den Frauen vom Shinjuku Lib Center höre ich über die Diskriminierung, denen in Japan geschiedene Frauen ausgesetzt sind, vor allem aber Mütter mit unehelichen Kindern. 

„Insgesamt können wir 30 Frauen mit ihren Kindern aufnehmen und sie können zwei Wochen bleiben“, erklärt die Leiterin. Auch von hier gehen viele in ihre Familie zurück.8


Karrierefrauen

Eine ganz andere Seite der Frauenemanzipation erlebe ich bei dem Interview mit Kitamura Setsuko, 29, verheiratet und Journalistin bei der auflagenstärksten Tageszeitung der Welt, der „Yomiuri Shinbun“. Wie das Druckergewerbe, so ist 1978 in Japan auch der Journalismus noch eine männliche Domäne, und Kitamura san ist eine von sechs Frauen unter 1500 Reportern. Sie gehörte übrigens auch zu einer japanischen Bergsteigerinnen-Gruppe, die den Mount Everest bestiegen hat.9

Die offizielle Seite der Bemühungen für die Frauenemanzipation in Japan, die mit dem Internationalen Jahr der Frau 1975 und dem Anlaufen der UNO-Dekade der Frau seit demselben Jahr voll in Fahrt kam, vertritt Moriyama Mayumi, die Leiterin des Büros für Frauen und Jugendliche im Arbeitsministerium. Die 1927 geborene Karrierefrau hat das berühmte Tsuda College 10 besucht und an der renommiertesten Universität des Landes, der Tokyo-Universität, die vor 1945 keine Frauen aufnahm, Jus studiert. Von dort wechselte sie 1950 nahtlos ins Arbeitsministerium. Trotz drei Kindern gelang es ihr „die ganze Zeit am Ball zu bleiben“. Sie arbeitet an den Regierungsplänen für Frauen mit und hat nebenbei eine Vereinigung für Frauen aller Ministerien ins Leben gerufen – 150 sind es im Sommer 1978 insgesamt.11


Frauengruppen

Im Asahi Culture Center wiederum deckt man in 420 Kursen, das sind 650 Klassen, das gesamte weibliche Fortbildungsspektrum ab. Von Teezeremonie und Blumenstecken über Kochen und Handarbeiten bis zu Schönschreiben, Ölmalerei, Holzschnitzen und Photographie finden Bildungshungrige alles, was das Herz nur begehren könnte. 80 Prozent der Mitglieder dieser Institution seien Frauen und die Hälfte davon Hausfrauen, erfahre ich. Verschiedene Fremdsprachenkurse, Musik und Literatur werden ebenfalls angeboten. Die Teilnehmerinnen bekommen kein Zeugnis, aber einen Befähigungsnachweis für Unterricht, und viele Absolventinnen geben das Erlernte an die Nachbarn weiter. Nein, es wird nicht nur „Brautunterricht“ geboten, auch viele Ältere wollten etwas lernen, das habe sich in den letzten Jahren geändert, sagt man mir. Sehr beliebt seien auch Kurse für Sozialpsychologie bei Müttern, und Frauen belegten sogar Kurse in Mathematik und Physik. In letzter Zeit sei etwa auch eine Einführung in die Lektüre von Marx sehr beliebt. Kinder dürften die Teilnehmerinnen nicht mitnehmen, man möchte zwar einen Kindergarten einrichten, aber bisher sei das nicht gelungen. Die Kinder hätten Verständnis, wenn ihre Mütter dazu lernen. „Nicht so gerne haben es die Ehemänner“, wird mir erzählt.12

Bei Frauen der „Association of Foreign wifes of Japan“ höre ich einiges über das Innenleben japanischer Familien, und im Kabukiza darf ich sogar Nakamura Kankurô gegenübersitzen, einem 23jährigen berühmten Frauendarsteller.13 Hier erfahre ich nichts über Frauenemanzipation, wie übrigens auch bei meinem Besuch bei Geishas in Kyoto in diesem Sommer. Im Gegenteil, ich darf übersteigerte Formen weiblicher traditioneller Mimik, Gestik und Sprechweise bewundern. Sie vermitteln den Eindruck von Eingezwängt sein in eine starre Etikette. Es erinnert mich an das, was mir vorher eine junge Amerikanerin über Einladungen in ihrer neuen Familie erzählt hat. „Wenn Gäste kommen, ist alles angespannt und formell, sehr ermüdend, diese Etikette beim Servieren und Essen!“


Ichikawa Fusae

Das Interview-Karussel bringt mich als nächstes zu Ichikawa Fusae. 85 Jahre ist sie alt, die Doyenne des japanischen Kampfes um Gleichberechtigung. Schon 1919 gründete sie mit der berühmten Hiratsuka Raichô die Shin Fujin Kyôkai, die Vereinigung neuer Frauen, und setzte sich von da an ständig für das Wahlrecht für Frauen ein, ein Anliegen, das 1945 erfüllt wurde. Bis sie 1981 starb, war sie aktiv als unabhängige Abgeordnete. 1974 gründeten sie und andere Parlamentarierinnen eine Vereinigung von Vertreterinnen der Nicht-Regierungsorganisationen (NGO), die „Aktionsgruppe für das Internationale Jahr der Frau“ (Kokusai Fujin Nen o kikkake to shite Kôdô o Okosu Onnatachi no Kai), die dann sämtliche Aktivitäten im Zuge der UNO-Dekade der Frau begleitete. 

Diese berühmte alte Dame beeindruckt mich vor allem, weil sie so natürlich, lebhaft und witzig ist. Sie gewann ihre erste Wahl 1953 und verlor ihre Wiederwahl 1971. Aber 1974 machte sie mit starker Unterstützung von Frauengruppen ein Comeback. 

Bei unserem Interview ist Fusae Ichikawa mit dem Erreichten keineswegs zufrieden. "Das Wahlrecht hat den Frauen zu wenig gebracht." 1946 zogen in das japanische Unterhaus 39 Frauen ein. "Bis 1978 schrumpfte diese Zahl auf 7 zusammen", stellt sie fest. Im Oberhaus des Parlaments hat Ichikawa 17 Kolleginnen. "Die Männer halten die Frauen noch immer für dumm, und die Frauen finden sich darein." 

Fusae Ichikawa hat nach dem Krieg mit ihrer Fortbildungseinrichtung für Frauen, Fusen Kaikan, einen Ort geschaffen, an dem vor allem Hausfrauen Bildungslücken in Wirtschaft und Sozialgeschichte, Recht und Literatur schließen. Denn Ichikawa beharrt darauf: "Letztlich ist die Gleichberechtigung eine Frage der Erziehung."14


Zentrum für Hausfrauen

Hausfrauen stehen auch im Zentrum meiner letzten Station im vom Frauenthema bestimmten Interviewreigen des Sommers 1978, ein Besuch bei der Shufu Rengokai, der größten und prominentesten Vereinigung japanischer Hausfrauen. Ich besuche Takada Yuri in der sogenannten Shufukaikan, dem „Zentrum für Hausfrauen“, einem weithin sichtbaren Gebäude, in das sich die Shufuren eingemietet hat. Takada Yuri ist selbst Pharmazeutin und sehr bekannt für die Produkt-Tests, die sie und ihre Kolleginnen in den Labors der Vereinigung durchführen. 

In meinen Notizen finde ich Aufzeichnungen über eine riesige Küche für sehr viele Personen, einen großen Raum fürs Blumenstecken, Räume für die Feier von shintoistischen Hochzeiten – in diesem Ritus finden in Japan die meisten Trauungen statt. Auch ein Laden ist eingerichtet , und in der großen Halle treffen sich die Frauen einmal monatlich bei einer Mitgliederversammlung. Frau Takada berichtet über „seikatsu-Kurse“ (Lebenskurse), die zu den gefragtesten Kursen des Lehrangebotes gehören, meistens als Vorbereitung auf die Eheschließung.15 

Hauptsächlich wirkt die Shufurengokai aber im Konsumentenschutz. Eine Mitkämpferin von Fusae Ichikawa um das Wahlrecht, Oku Mumeo, wurde erste Leiterin der 1948 gegründeten Vereinigung, die bis zum heutigen Tag in vielen Bereichen des kommunalen Lebens tätig ist.16 Diese Dachorganisation aller japanischen Hausfrauenvereine hatte mit Ende der 70igerjahre zirka 800 000 Mitglieder und baute auf einer bereits in den zwanziger Jahren existierenden Frauen-Konsumentengewerkschaft auf. Der Aktionsradius reicht von Marktforschung bis zum Kampf für Konsumentenschutzgesetze und Kampagnen gegen hohe Preise.17 Aber auch diese Frauen, die das in den Nachkriegsjahren in Japan dominierende Frauenbild der Japanerin verkörpern, entsprechen nicht dem westlichen Klischee der sanften Ostasiatin, sondern die professionellen Hausfrauen kämpfen mit erhobenen Reisschöpfer, dem Symbol der Vereinigung, für ein breites Spektrum von Anliegen, zum Beispiel gegen hohe Lebenshaltungskosten - und das auch auf der Straße. Um ihre Ziele zu erreichen, verbünden sie sich mit Gewerkschaften und scheuen Konfrontationen mit Großkonzernen nicht. Es handelt sich zwar um eine Bewegung von Hausfrauen, aber sie richten sich nicht gegen die Erwerbstätigkeit der Frauen, sondern verwenden ihre Kraft für Konsumentinnen-Aufklärung, Boykott-Kampagnen und Alternativ-Vorschläge.18


Die professionelle Hausfrau – sengyôshufu

„Gründungsmitglieder waren ungefähr fünfzehn Frauen, hauptsächlich Hausfrauen um die 40, die die Kindererziehung abgeschlossen haben, “schreibt Imai Yasuko in ihrem Brief vom Frühjahr 197919, in dem sie von der Gründung der Frauengruppe "Hamamatsu Fujin Konwakai" berichtet. 

Es war das Bild von der „Hausfrau“, mit dem Frauen paradoxerweise in den Nachkriegsjahrzehnten zunehmend identifiziert wurden. Paradox deshalb, weil genau damals gesetzliche Veränderungen den Frauen legal die Tore zu Aktivitäten im öffentlichen und politischen Bereich geöffnet hatten. Obwohl das Idealbild der Frau als Hausfrau bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert existierte, war es nur in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, dass die Hausfrau die archetypische Verkörperung von Weiblichkeit wurde, ebenso wie der Angestellte, englisch-japanisch “sarari-man”, der Archetyp der Männlichkeit. Das schreibt Vera Mackie in ihrem Buch „Feminism in Modern Japan“.20


Die Bewegung “Neues Leben“

Welche politischen und soziologischen Motive nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Ende der sechziger Jahre zu dieser Situation geführt haben, hat Andrew Gordon in seinem Aufsatz “Managing the Japanese Household: The New Life Movement in Postwar Japan” dargelegt.21 Ab Ende der 1940iger Jahre begannen nämlich das Landwirtschaftsministerium, das Wohlfahrtsministerium und das Erziehungsministerium gemeinsam mit Frauenorganisationen die Kampagne für „Neues Leben“ (Shin seikatsu undô). Ab 1953 schlossen sich zahlreiche große japanische Firmen an, die erste war NKK (Nippon Kôkan), der größte japanische Stahlerzeuger. 1955 wurde von Seiten der Regierung die Shin seikatsu undô kyôkai, Die Vereinigung für Neues Leben, gegründet. Diese Bewegung für neues Leben zielte auf eine Gesellschaft, in der effiziente moderne „professionelle Hausfrauen“ (sengyô shufu) einen wichtigen Beitrag für die industrielle Nachkriegswirtschaft leisten sollten. Die Politik und viele der wichtigsten japanischen Industriebetriebe förderten Vereinigungen, in denen Frauen beigebracht wurde, wie sie sparsam und ideenreich ihr häusliches Aufgabengebiet gestalten konnten. Es passierte auf diese Weise, dass „die Hausfrau“ zu einer der zwei Hauptpersonen der sogenannten „kigyô shakai“ der Nachkriegszeit wurde. In dieser „firmenorientierten Gesellschaft“ sind alle Mitglieder der Gesellschaft auf einen sparsamen Umgang mit den Ressourcen und auf das Wachstum der Wirtschaft ausgerichtet. Die Hauptperson im Vordergrund ist der „salari man“, der lohnabhängige Angestellte, der seine gesamte Persönlichkeit in den Dienst der Firma stellt. Die Hauptperson im Hintergrund ist die Ehegattin, die „professionelle Hausfrau“, die ihm durch ihre Unterstützung die Kraft dazu gibt. Eine Gesellschaft, in der Frauen aller sozialen Schichten ihr Heim managten, während die Ehegatten in der Arbeitswelt ihren Mann stellten, wurde zunehmend als naturgegeben angesehen.

Die Situation der Hausfrau als Haushaltsmanagerin und Konsumentin und der Status ihres Mannes als Produzent am Arbeitsplatz waren laut Gordon eng miteinander verknüpft. Die vorherrschende Meinung bestand darin, dass das kriegszerstörte und arme Japan nur zu Aufstieg und Achtung in der Welt kommen konnte, wenn Frauen auf ihrem Platz im Heim die Produktionskraft des Mannes für seinen Platz in der Wirtschaft regenerierten und ihm alle Mühsal des familiären Alltags vom Halse hielten. 

Da die Ressourcen nach dem Krieg knapp waren, wurden die Konsumentinnen in diesen Jahrzehnten zu äußerster Sparsamkeit im Wirtschaften angehalten, in der ehelichen Sexualität zu Enthaltsamkeit. Denn die Angst vor einem Bevölkerungswachstum, das die Hoffnung auf wirtschaftliche Erholung zunichte machen würde, war groß. Ein Ausdruck dieser Sorge – die sich 50 Jahre später ins Gegenteil verkehrte - war 1948 das Eugenische Schutzgesetz (yûsei hôgô hô), das Abtreibung weitgehend legalisierte. 

Die von staatlicher und wirtschaftlicher Seite geförderte, von den Frauen durchgeführte Bewegung Neues Leben vereinbarte „großen Enthusiasmus über die Möglichkeiten der modernen Wissenschaften und Rationalität … mit einem Moralismus, der in der kargen (austere) Welt des japanischen Konfuzianismus der Edo-Zeit wurzelte.“22 Gordon schreibt, dass diese Bestrebungen von allen politischen Richtungen und von den Gewerkschaften getragen wurden, wenn diese auch mit der Bewegung Neues Leben ständig in Konkurrenz standen. 

Basis der Bewegung im Bereich der Industrie – die Bewegung war zuerst im landwirtschaftlichen Bereich tätig – waren kleine Lerngruppen mit Ehefrauen von Angestellten, die von Trainerinnen bzw. in der Folge von Ehefrauen leitender Angestellter geführt wurden. Solche Studiengänge und kulturelle Aktivitäten für die Frauen der Angestellten machten einen Großteil des Programms aus. Die Kurse umfassten traditionelle hausfrauliche Tätigkeiten wie Kochen, Nähen, Stricken, Futon reparieren, Blumenstecken, aber weit darüber hinaus sollten die Hausfrauen sich auch in den Bereichen Gesundheit, Kleidung, Sparen, gegenseitige Hilfe, Vereinfachung von Begräbnissen und Hochzeiten, Familienplanung, Kindererziehung und Freizeitaktivitäten der Familie weiterbilden. Die Fortbildungsveranstaltungen sollten den Frauen helfen, ihre gesamte Existenz, von der Wiege bis zu Grab, zu bewältigen. Erwähnt sollte hier auch werden, dass zu den Aufgaben dieser Allround-Managerinnen des häuslichen Bereichs die Verwaltung des Einkommens des Mannes gehörte. In Hamamatsu, wo Imai Yasuko die zweite Hälfte ihres Lebens verbrachte, wurde bereits im April 1953 „für das gemeinsame Studium der Hausfrauen“ eine „Schule für Neues Leben“ veranstaltet.23 Möglicherweise passierte das so schnell, weil Hamamatsu eine sehr industrialisierte Stadt ist. 

Die Shin seikatsu-Bewegung strahlte weit aus und festigte die Rollenbilder von Männern und Frauen in der gesamten japanischen Gesellschaft. Ein Entweichen oder Ausbrechen war sehr schwierig und setzte einen so starken Charakter wie den von Imai Yasuko voraus. 

Ende der 1960iger Jahre wurde die Shinseikatsu-Bewegung aber mit einer Krise konfrontiert. Die Rolle der „Vollzeit-Hausfrau” war nun so gut etabliert, so viele junge Frauen studierten Hauswirtschaft in Mittelschulen, Oberschulen und an den Kurzuniversitäten, dass Firmenprogramme, die Frauen kochen und einkaufen lehrten, sich erübrigten.24 Bis Mitte der 80iger Jahre hatte sich die ganze Bewegung überlebt. In der letzten Nummer der Zeitschrift Shin seikatsu stand: „Die wirtschaftliche Umgebung hat sich vollständig verändert ...Damals, als unsere Bewegung begann, versuchten wir durch Rationalisierung und Sparsamkeit Kapital zu akkumulieren, aber heute wollen wir die Profite durch gesteigerte Umsätze erhöhen; so hat sich das Ziel der Betriebsführung verändert und die Unterstützung für unsere Bewegung natürlicherweise abgenommen.“25

Schon bis zum Ende der Siebzigerjahre war im Widerspruch zum Geist der Fünfziger und Sechzigerjahre das Konsumieren zu einem Gebot der Wirtschaft geworden, und man wünschte sich ein Ansteigen der Geburtenrate, die weltweit zu den niedrigsten gehörte. Anstelle der Angst vor Übervölkerung dämmerte die Angst vor der vergreisten Gesellschaft herauf, und man sann über politische Maßnahmen, Frauen zu mehr Kindern zu motivieren.

Eine Folge der Bewegung Neues Leben und anderer Maßnahmen der Nachkriegspolitik und Frauenerziehung war es jedenfalls, dass sich das in der Meiji-Zeit geschaffene Idealbild der japanischen Frau als nur häuslich tätige Hausfrau und Mutter nicht aufgelöst, sondern verfestigt hatte. Wenn eine Frau aufgrund der gesteigerten Konsumanreize und wegen der teuren Schulbildung für die Kinder stundenweise außerhäuslich oder in Heimarbeit tätig sein musste, dann hatte sie diese Berufstätigkeit mit ihren Hauptaufgaben der Haushaltsführung, Kindererziehung und Gattenbetreuung sowie der Betreuung der alten Menschen in der Familie zu harmonisieren.26

Allerdings ebnete die offizielle Ermutigung der Frauen zur damit Hand in Hand gehenden politischen Beteiligung in Haushalts- und Familienfragen – siehe die Aktivitäten der Hausfrauenvereinigung Shufu Rengokai - den Weg für das Ansteigen der „Bürgerbewegungen“ in den 1970iger Jahren.

Imai Yasuko hatte es all die Jahrzehnte abgelehnt, den nationalen Trend zur Hausfrau mitzumachen und ein eigenständiges Leben als berufstätige Frau vorgezogen. Kein Wunder, dass sie sich als krude Außenseiterin vorkam und auch als solche betrachtet wurde. Die Frauen, mit denen sie sich nach ihrer Rückkehr aus Wien anfreundete, und mit denen sie in Hamamatsu die „Fujin Konwakai“ gründete, gehörten jedoch zu den vielen gebildeten Hausfrauen jener Tage, die unter der Verbannung in den häuslichen Bereich zunehmend litten und ab den 70iger Jahren dagegen aufbegehrten.


Die Frauenbewegung ab 1970 - Westlicher Import?

Die feministischen Aktivitäten der siebziger Jahre in Japan spielten sich ungefähr zur selben Zeit ab wie ähnliche Aktivitäten in Europa, den Vereinigten Staaten und Australien, und das sei kein Zufall, schreibt Mackie. Frauen in allen entwickelten kapitalistischen Ländern erfuhren dieselben Widersprüche zwischen einer Erziehung, die ihnen Selbstverwirklichung versprach und einem Arbeitsmarkt, der auf den Ungleichheiten von Klasse und Geschlecht basierte. Auch in Japan seien viele Frauen von der Politik der Linken desillusioniert worden, die Frauenanliegen ignorierten oder nicht ernst nahmen. Japanische Frauen, so Mackie, hätten sich auf der Suche nach theoretischem Handwerkszeug zur Darlegung ihrer Situation in Richtung Europa und Vereinigte Staaten gewendet, weil die Frauen dort ähnliche Widersprüche erlebten und in später zu Klassikern gewordenen Büchern ihr Unbehagen analysierten. Margaret Meads “Mann und Weib“, Simone des Beauvoirs “Das andere Geschlecht“, Betty Friedans “Der Weiblichkeitswahn”, Kate Milletts “Sexus und Herrschaft”, Germaine Greers “Der weibliche Eunuch” und Shulamith Firestones “Frauenbefreiung und sexuelle Revolution“ wurden alle in den Siebzigern ins Japanische übersetzt.27

Ilse Lenz und Michiko Mae arbeiten im deutschen Sprachraum über die japanische Frauenbewegung.28 Über den Einfluss der westlichen Frauenbewegung schreibt Lenz in einem Aufsatz: „Die ribu erhielt Anstöße aus den USA und Europa über Medien und eigene Auslandserfahrungen, doch sie ist kein `westlicher Import´. Vielmehr handelt es sich um tiefgreifende kulturelle Synthesen …, in die die Alltagserfahrungen der beteiligten Frauen, ihre Auseinandersetzungen mit der japanischen Kultur und Gesellschaft, bisherige kritische Diskurse aus der sozialistischen, anarchistischen und der Frauenbewegung und die Impulse `aus dem Westen´ eingingen.“29 

Michiko Mae formuliert noch stärker: „Es wäre falsch, die Anfänge und die weitere Entwicklung der japanischen Frauenbewegung bis heute auf die Übernahme westlicher Vorbilder und auf westliche Einflüsse zurückzuführen. Es gab und gibt sie natürlich; aber die Ursprünge und Motivation lagen in den eigenen Erfahrungen der japanischen Frauen selbst. Es war vor allem die Erfahrung der Verstärkung patriarchalischer Strukturen durch den japanischen Modernisierungsprozess seit der Meiji-Zeit (1968-1912), die zur Entwicklung eines gemeinsamen feministischen Bewusstseins und zur Formierung einer sozialen Bewegung führte.“ Sowohl in den westlichen Ländern wie auch in Japan ging es ziemlich zeitgleich um eine Freisetzung aus eben diesen Strukturen „patriarchalischer Bevormundung“ und um den Kampf  für ihre individuelle und gleichzeitig damit auch um ihre politische Selbstbestimmung.30

Dies stimmt auch für Imai Yasuko und ihre Freundinnen aus der Hamamatsu Fujin Konwakai. Mae formuliert, dass die Frauenbewegung ein Kampf war, das Eingesperrtsein im privaten Lebensbereich zu durchbrechen.31 Und diese Formulierung trifft genau die Stimmung, in der sich die Frauen damals befanden.


Die „ribu“

„Der erste große Zusammenschluss von feministischen Gruppen bildete sich mit dem Aktionsbündnis gegen das geplante Eugenik-Gesetz 1972 heraus, das die bisherigen Möglichkeiten zur Abtreibung angesichts eines befürchteten Bevölkerungsrückgangs unterbinden sollte. Der Protest war erfolgreich. Aus dem Bündnis entwickelten sich erstmals aber auch eine nationale Koordination und Zusammenarbeit von Gruppen über ganz Japan, die für die nächste Phase wichtig wurden,“ schreibt Lenz.32 Das Eugenik-Gesetz (yûsei hogo-hô) war 1948 beschlossen worden. Nach dem japanischen Strafgesetz ist Schwangerschaftsabbruch generell verboten (StGB §§212-216). Aber durch das Eugenikgesetz, besonders durch § 14, Abs. 4, der die Abtreibung aus finanziellen Gründen zulässt, war die Abtreibungsfreiheit de facto gegeben und die Möglichkeit wurde stark in Anspruch genommen. „Als im Mai 1972 ein Änderungsentwurf zum Eugenikgesetz im Parlament vorgelegt wurde, erreichte die Frauenbewegung mit einer Kampagne gegen diesen Entwurf einen Höhepunkt. Durch den Kampf der Frauen wurde der Änderungsentwurf schließlich zurückgenommen.“33 Die Auseinandersetzungen um das Eugenik-Gesetz und die Pille sind übrigens in ihrer Bedeutung für die neue Frauenbewegung vergleichbar mit dem Kampf europäischer Frauen gegen das Verbot des Schwangerschaftsabbruches. Ihr Leitspruch war „Mein Bauch gehört mir“. In zahlreichen Ländern Europas kam es in der Folge als Ergebnis von Demonstrationen und anderen Aufsehen erregenden Aktionen von Frauen zu einer Fristenregelung, d.h. der Schwangerschaftsabbruch ist bis zu einer gewissen Frist erlaubt.

Die moderne japanische Frauenbewegung entstand in Japan nicht aus dem Nichts, sondern „entfaltete sich vor einer langen Geschichte der Frauenbewegung und des feministischen Bewusstseins in Japan,34 schreibt Lenz und teilt die neue Frauenbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg in drei Phasen. Der Kampf gegen die Verschärfung des Eugenik-Gesetzes und der Kampf um die Freigabe der Pille (die erst 1999 erfolgte) gehören in die erste Phase. Lenz: „Auf die erste Phase der Bewusstwerdung (1965-1975) folgte die Verbreitung und Etablierung des Feminismus: Feministische Ansätze und Frauenforschung wurden in den Massenmedien und an der Universität aufgenommen und Frauengruppen schlugen Wurzeln in der Region. Man kann von einer zweiten Phase der Verbreitung und organisatorischen Konsolidierung sprechen (1975-1985). Ab ca. der Mitte der 1990er Jahre schließlich zeichnet sich eine Neuorientierung auf `Geschlecht und Ungleichheit´ – statt der bisherigen Fokussierung auf Frauen – und auf politische Veränderungen ab; die Phase der Gender-Orientierung und der vorsichtigen politischen Öffnung wurde eingeläutet.“35 Die Frauenaktivitäten in Hamamatsu um Imai Yasuko fallen in die zweite Phase dieser Einteilung.

Um 1970 formierte sich also die japanische Frauenbewegung in der marxistischen Studentinnen- und Friedensbewegung. Es handelte sich um junge Frauen zwischen 20 und 30 Jahren. Sie nannten sich „ûman ribu“ oder das „ribû-undô“ (die japanische Abkürzung für Women´s Liberation-Bewegung). In der Selbstbezeichnung „ribu“ klang aber nicht nur „Women´s liberation an“, sondern auch das Wort „leben“, „live“, das in Japan ebenfalls mit „ribu“ transkribiert wird.36
Von den Methoden, Strategien und Zielen und ihrem öffentlichen Auftreten her kann diese erste Phase mit der autonomen Frauenbewegung in Österreich oder Deutschland verglichen werden. Imai Yasuko war in Wien mit dieser autonomen Frauenbewegung in Kontakt geraten und zutiefst beeindruckt worden. Die „ribu“ in Japan in den Jahren vor Wien hatte sie kaum und wenn, dann deren medienwirksame Aktionen als skurrile Randerscheinung registriert. Diese japanische ribu-Bewegung bestand aus jungen, nicht angepassten und nicht nur, aber auch lesbischen Frauen, die sich offen dazu bekannten, und sie setzten teilweise viel radikalere Aktionen als die autonomen Frauen in Europa. Das war natürlich in der japanischen Gesellschaft, in der Anpassung an die gesellschaftlichen Normen als der Frauen höchste Tugend galt, ein besonderer Skandal. Ich erinnere mich vage an einen japanischen Fernsehbericht des Jahres 1972, in dem man am damals noch schwarzweißen Bildschirm nackte Frauen um ein Feuer herum tanzen sah. Eventuell hat es sich dabei um das zweite Sommerlager im September 1972 gehandelt, an dem einige hundert Frauen aus ganz Japan teilnahmen.37 Für dieses Sommerlager, das erste 1971, war hauptsächlich die Gruppe „Tatakau onna“ (Kämpfende Frauen) verantwortlich, die sich 1970 gründete und unter anderem gegen die Verschärfung des Eugenik-Gesetzes auftrat.

Ein weiterer wichtiger Antrieb der libu-Bewegung wurde die Solidarität mit den ostasiatischen Frauen. Themenschwerpunkte waren die Kritik am japanischen Sextourismus38 und die Zwangsprostitution während des Zweiten Weltkriegs. Die sogenannten „jûgun-ianfu“ (truppenbegleitende Trostfrauen) waren meist zwangsweise und unter falschem Vorwand geworbene Prostituierte für japanische Militärbordelle in den von den Japanern eroberten Gebieten. Der Frauenbewegung und den betroffenen Frauen ging und geht es immer noch um die Anerkennung als Kriegsverbrechen und um individuelle Entschädigungen durch die die japanische Regierung.39 Ein anderer Schwerpunkt der neuen Frauenbewegung war von Anfang an die Frauengeschichte, josei no rekishi. Das vierbändige Werke „Josei no rekishi“ von Takamure Itsue entstand 1954 bis 1958 und brachte erstmals eine umfassende Darstellung der japanischen Frauengeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart, und zwar – das war das Revolutionäre - vom Standpunkt der Frau aus. Das Werk inspirierte die akademische Frauenforschung, die feministische Auseinandersetzung mit der Frauengeschichte und die von Laien betriebene Lokal- und Frauenforschung. Seit den sechziger Jahren setzten sich zahlreiche Frauenstudiengruppen mit Methoden der oral history mit der Geschichte ihrer Umgebung und ihrer Mütter und Großmütter auseinander. Von Städten und Präfekturen wurden Seminare für Frauengeschichte angeboten. Auch das weiter oben zitierte Buch über „Hamamatsu no josei rekishi“ (Die Frauengeschichte von Hamamatsu) gehört zu diesen Projekten. Besonders viele lokale Frauengeschichtsgruppen entstanden in der UNO-Dekade der Frau von 1975 bis 1985.40

In der Öffentlichkeit mehr bemerkt wurden aber provokative Aktionen der „libu“-Bewegung. Ich erinnere mich, dass damals sogar in österreichischen Medien ab und zu das Wort „Chûpiren“ fiel. Das war eine Gruppierung, die Enoki Misako ins Leben rief und die stark beachtete Aktivitäten setzte. In österreichische Medien drangen zum Beispiel Berichte über Frauen mit rosa Helmen, die auf Arbeitsplätze von Männern stürmten, die ihre Frauen betrogen. Enoki Misako gründete kurz vor den Oberhauswahlen im Juli 1977 eine Frauenpartei, die Nihon joseitô, blieb jedoch erfolglos und zog sich daraufhin ins Privatleben zurück.41
Während in den etablierten Medien über diese spektakulären Aktionen zwar berichtet, sie aber auch lächerlich gemacht wurden, bildeten sich außerhalb des gesellschaftlichen und medienmäßigen mainstreams zahlreiche Gruppen mit den oben genannten Themenschwerpunkten im ganzen Land. Eine dazugehörige bewegungsinterne Öffentlichkeit mit Zeitungen und Rundbriefen entstand. Als fester Treffpunkt etablierte sich für einige Jahre das ribu-Zentrum in Shinjuku42, das ich 1978 besuchte. 

Die jungen Frauen der „ribu“ schufen so, wie Ilse Lenz formuliert „einen Politikstil…, der auf Mündigkeit, Kreativität und Autonomie der einzelnen Frau, der Individuen setzte und sich deutlich von der vorherrschenden Orientierung auf hierarchische Gruppen abhob. Er wirkt bis heute als Orientierung und als neue Norm auf die Frauenbewegung ein“.43 Bei den Aktivitäten der zweiten Phase der Frauenbewegung, auch die jener Gruppe, an der Imai Yasuko mitwirkte, standen nicht spektakuläre Aktionen und provokante sexuelle Themen im Vordergrund. Was die zweite Phase der japanischen Frauenbewegung aber von der Lib-Bewegung übernahm, waren diese neuen Organisationsformen, in denen die Mitglieder gleichberechtigt und demokratisch zusammen arbeiteten . 

Thematisch war es der Verdienst der Lib-Bewegung, erstmals sexuelle Autonomie zu fordern und die in der sexistischen Gesellschaft verborgene Gewalt gegen Frauen anzuprangern. Das war in den70iger-Jahren noch für den Rest der Gesellschaft eine Provokation und Kuriosität. In den 80iger-Jahren wurden die Anliegen der Frauenbewegung sozusagen von der Hauptströmung der Gesellschaft aufgesogen und in den Medien unterstützt. Einzelne Frauen gingen an die Öffentlichkeit und Beratungsstellen- und zentren wurden eingerichtet. Dass sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz oder Gewalt in der Familie ein Thema im „mainstream“ der öffentlichen Diskussion wurde, das dauerte aber bis in die neunziger Jahre.44
Der Ausgangspunkt der heute breit akzeptierten Kritik gegen sexuelle Gewalt im privaten und im Arbeitsbereich und von gesetzlichen Maßnahmen dagegen lag also in Japan in der Bewegung der „ribu“ beziehungsweise in Deutschland und Österreich bei der autonomen Frauenbewegung. Sie waren die ersten, die „das gesellschaftlich zentrale Harmonieprinzip“45 durchbrachen. Das war ein sehr bedeutsamer Akt, denn dieses Harmonieprinzip durchdringt in Japan alle gesellschaftlichen Bereiche. Mae im Jahr 2000: „Der Kampf um Rechte und die Verteidigung der eigenen Rechte ist für JapanerInnen bis heute mit großen inneren und äußeren Widerständen verbunden, da er eher als egozentrisch und gegen das Harmonieprinzip gerichtet empfunden wird.“46 Ich glaube, diese Feststellung gilt auch jetzt noch.

Der Slogan der Frauenbewegung: „Das Private ist politisch“ hatte in Japan noch einschneidendere Bedeutung als Westen. Denn das „traditionelle Konzept der Privatheit bedeutete für die Frauen, dass die Familie als Rechtsperson, die Ehe und der Haushalt als unantastbare Privatsphäre geschützt waren, gleichzeitig aber in diesem geschützten Raum die Individuen ihrer Identität, Autonomie, Selbstkontrolle und Selbstdefinition beraubt werden konnten. Die Privatheit der Familie als Rechtsperson hat(te) Vorrang vor den individuellen Rechten der Frau auf Privatheit ...“ Die neue Frauenbewegung war es, die den Kampf gegen dieses „Konzept der Privatheit“ begann, „das nur die Familie als Einheit schützt, innerhalb dieser Lebenssphäre aber die Rechte der Frauen als Person ungeschützt lässt …“47


UN-Dekade der Frauen

Das „Internationale Jahr der Frau“ 1975 und die „UN-Dekade der Frau“, 1976-1985, beschlossen auf der ersten Welfrauenkonferenz in Mexiko 1975, bedeutete für die japanische Frauenbewegung einen Wendepunkt. „Die japanische Frauenbewegung hat nach 1975 ihren Charakter verändert“, schreibt Michiko Mae48. Die Diskriminierung der Frauen wurde nun zum Thema einer international geachteten Institution wie den Vereinten Nationen, und bewirkte, dass die Frauenfrage im breiten gesellschaftlichen Kontext ernst genommen zu werden begann. Medien und Regierungspolitik stellten sich in den Dienst der UNO-Forderungen, und in der Folge fing die Gesellschaft an, sich über eine Veränderung der traditionellen fest einzementierten Rollenbilder Gedanken zu machen. Die Regierung richtete eine Kommission zur Frauenfrage ein und stellte einen Aktionsplan für die Frauenförderung auf, der seitdem fortgeschrieben wird.

Ilse Lenz: Die „japanische Regierung verhielt sich grundsätzlich positiv zu den Weltfrauenkonferenzen und ihren Beschlüssen“.49 „Sie übernahm, wenn auch teils mit Zögern, die wesentlichen Beschlüsse der Weltfrauenkonferenzen und die UN Konvention zur Eliminierung aller Formen der Diskriminierung der Frau (CEDAW50).“ Nach einem schwierigen Meinungsbildungsprozess innerhalb der japanischen Regierung unterzeichnete Takahashi Nobuko, die erste weibliche Botschafterin im japanischen diplomatischen Dienst, bei der Weltfrauenkonferenz in Kopenhagen 1980 diese Konvention.51 

Eine spezielle Abteilung für Frauenfragen wurde 1975 im Amt des Premierministers eingerichtet. Deren Leiterin Moriyama Mayumi war es, die ich im Sommer 1978 besuchte. Bildungszentren für Frauen wurden etabliert und Gesetzesreformen betrieben.


Chancengleichheit per Gesetz

So sah die japanische Regierung ein berufliches Gleichstellungsgesetz vor, das 1986 nach einem langen Konsultationsprozess vor allem mit der Unternehmerseite unter dem Namen „Gesetz zur chancengleichen Beschäftigung von Männern und Frauen“ (Danjo koyô kikai kintôhô) in Kraft trat.52 Der Beschluss dieses Gesetzes bildete eine Voraussetzung für die Ratifizierung des Übereinkommens zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau im Jahr 1985. 

Schon Ende 1974 hatten die Parlamentarierinnen Ichikawa Fusae und Tanaka Sumiko Frauengruppen, Schriftstellerinnen, Akademikerinnen, Gewerkschafterinnen und Frauen aus der Bürokratie zu einem Treffen eingeladen, aus dem die International Women´s Year Action Group, auf Japanisch Kôdô wo okosu onnatachi no kai hervorging. Sie war bis 1990 aktiv und bildete gemeinsam mit zahllosen anderen japanischen Frauengruppen eine Lobby mit dem Ziel, die japanische Regierung zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit den UNO-Bemühungen zu bewegen. Diese Lobby vieler innerjapanischer Frauengruppen stand auch an der Spitze der Kampagne für die Schaffung des Gleichbehandlungsgesetzes. Sie benützten dabei politische Strategien wie die den Einsatz ihrer Bekanntheit in der Öffentlichkeit, Petitionen, öffentliche Zusammenkünfte, Demonstration und parlamentarische Arbeit.53
Das 1986 in Kraft getretene Gleichbehandlungsgesetz54 hatte übrigens als größten Schwachpunkt, dass es keine Sanktionen für Arbeitgeber beinhaltete, die seine Bestimmungen nicht einhielten. Erst 1997 führte eine Novellierung dazu, dass Diskriminierung von der Stellenausschreibung bis zur Rente verboten wurde und die Möglichkeit des gerichtlichen Klagewegs eröffnet wurde.55

Weitere Gesetze, die bereits im UNO-Jahrzehnt der Frau heftig diskutiert wurden, waren u.a. das Gesetz für Betreuungsurlaub der Kinder (Ikuji kyûgyô hô), das im April 1992 in Kraft trat. Es ermöglichte sowohl Müttern wie Vätern, Kinderbetreuungsurlaub bis zu einem Jahr zu nehmen.56 Das Kaigo hoken hô (Gesetz für Pflegeversicherung) von 1997 betraf ebenfalls Frauen, da sie einerseits ebenso wie für die Kinderbetreuung auch für die Pflege der Alten und Kranken verantwortlich gesehen werden57 und außerdem eine höhere Lebenserwartung haben als die Männer. Lange Diskussionen gingen auch dem Gesetz von 1989 voraus, das ab 1994 Haushaltslehre (kateika) als ein Pflichtfach sowohl für Knaben wie für Mädchen festlegte.58 

Noch nicht gesetzlich gelöst wurde die Frage des „fufu bessei“ – des getrennten Namens für Ehepaare bzw. die Beibehaltung des Geburtsnamens für beide Ehepartner. „Shintoistische und nationalistische Gruppen führten vor allem in traditionellen ländlichen Räumen eine heftige Kampagne gegen die Forderung nach dem individuellen Namen, der die `japanische Kultur und Nation zerstören würde ´; denn die wichtige symbolische Stellung des patriarchalen Hauses (ie), die sich im modernen Kaiserreich herausgebildet hatte, wäre damit weiter relativiert. Das Justizministerium ließ 1997 den Vorschlag des zuständigen Komitees auf halbem Wege (ver-)-enden.“59 Der vorläufig letzte parlamentarische ebenfalls vergebliche Vorstoß in Richtung „fufu bessei“ erfolgte 2009.60 

1999 wurde das „Grundgesetz für eine Gesellschaft der Gleichheit der Geschlechter (Danjo kyôdô sankaku shakai kihonhô) beschlossen. Heute sind mehr Gleichbestellung beider Geschlechter und bessere Arbeitsbedingungen für Frauen  offizielle Prioritäten der japanischen Regierung, und zwar einerseits in Hinblick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit Japans und andererseits und besonders in Hinblick auf den Geburtenrückgang.61 Das bedeutet aber nicht, dass sich die  realen gesellschaftlichen Bedingungen dadurch wesentlich verbessert hätten, und es hat auch noch keinen Anstieg der Geburtenrate bewirkt.


Frauenforschung

In den siebziger Jahren keimte in der Wissenschaft ein neues Fachgebiet, das der „joseigaku“ oder „Frauenforschung“. Das war ein Faktor, der wesentlich in das Leben der Imai Yasuko hineinspielte. „Joseigaku“ konnte nun „in Randpositionen in einigen Universitäten etabliert werden.“ Zum Beispiel durch Imai Yasuko an der Frauenkurzuniversität der Präfektur Shizuoka in Hamamatsu. 

In dieser zweiten Phase der japanischen Frauenbewegung nahmen „Schriftstellerinnen und Frauenforscherinnen (anstelle der vorigen Aktivistinnen) eine privilegierte Stelle bei der Definitionsmacht zur Veränderung der Geschlechterverhältnisse“ ein, „und die vorige teils provokante, teils plakative Praxis der ribu trat in den Hintergrund.“62

Die erste Konferenz der Internationalen Vereinigung für Frauenforschung (Kokusai josei-gakkai) fand vom 24. bis zum 26. Juli 1978 in Tokyo statt. Diese Vereinigung wurde erst im Jahr zuvor gegründet und existiert noch heute, allerdings unter dem Namen „International Society for Gender Studies“.63 An der Tagung 1978 nahm alles teil, was Rang und Namen unter japanischen und amerikanischen Frauenforscherinnen dieser Jahre hatte. Ich durfte zuhören. Dass die Infragestellung des Hausfrauendaseins hochaktuell war, merkte man auch bei dieser Konferenz. Denn die in der japanischen Gesellschaft repräsentative Berufsgruppe der „Hausfrau“ nahm breiten Raum in den Diskussionen ein, auch wenn es sich um Themenschwerpunkte  wie „Frauen und der soziale und politische Wandel“ oder „Frauen und Arbeit“ handelte.

In diesem Zusammenhang möchte ich Maes Hinweis einschieben, dass in Japan der Begriff „Hausfrau“ weiter gefasst ist als in Österreich oder Deutschland. Da in der japanischen Gesellschaft die Geschlechterdifferenz und die gesellschaftliche Arbeitsteilung besonders stark ausgeprägt ist, wird der öffentliche Raum – Arbeit, Wirtschaft, Politik – traditionell den Männern zugeordnet. Der private Raum, Alltag und Familie, ist aus dieser Sicht der Bereich der Frauen. Den Frauen wird so der allgemeine Grundstatus der Hausfrau zugewiesen. „Deshalb definieren sich viele Frauen zunächst als Hausfrau, auch wenn sie nur zeitweise oder nach einer Phase der Berufstätigkeit Hausfrau sind oder sogar dann, wenn sie tatsächlich berufstätig sind. Weil in Japan das Bildungsniveau generell ziemlich hoch ist, sind auch Hausfrauen meist gut gebildet und ausgebildet.“ Daher sei das Thema der Hausfrauen „wie Frauenforscherinnen richtig erkannten, kein Randthema in Japan, sondern vielmehr die Verkörperung der allgemeinen Situation der Frauen insgesamt.“ 64

Bei ihrer ersten Tagung widmeten sich die in- und ausländischen Frauenforscherinnen und ein Forscher eingehend diesem Thema. Man besprach die kommunalen Aktivitäten der „heutigen japanischen Hausfrau“ (gendai nihon no shufu). Es gab Vorträge und Diskussionen zu den Themen „Frauen in Verbraucherbewegungen“, „Die aktive städtische Hausfrau: Strukturell verursachte Motivierung für eine zunehmende kommunale Teilnahme“, weiters über den „gegenwärtigen Stand des Bewusstseins japanischer Hausfrauen“, „Sozialisation und Geschlechtsrollen“, über die „professionelle Hausfrau“, über den „wirklichen Stand und die Probleme der Hausfrauenarbeit im gegenwärtigen Japan“ und über das „Leben japanischer Geschiedener und Witwen“. 

In meinen Notizen aus Vorträgen und Diskussionen finde ich die damalige Stimmung wieder. Die Wichtigkeit der Ehe wird besprochen. Eine Untersuchung der Yomiuri-Zeitung vom 24. Juli 1978 fragte: „Können Sie als Frau leben, ohne verheiratet zu sein?´“. Nur 6,9% antworteten mit `Ja.´“ Thema sind auch die zahlreichen sozialen Aktivitäten von verheirateten Hausfrauen. Es gibt viele „Studier-Gruppen“, und Japans Konsumentenbewegung zentriert sich rund um die Hausfrauen. Die Frauen sagen aber, sie können nur so lange teilnehmen, solange es sie nicht an der Erfüllung der Hausfrauenpflichten hindert. 

Die Amerikanerin Suzanne Vogel65 referiert sehr positiv über die sengyo shufu, die professionelle Hausfrau. Sie betont, dass die Rolle der Hausfrau sozial akzeptiert sei und dass Frauen bei der Heirat einen lebenslangen Beruf übernehmen. Vor allem den Beruf der Mutter. Die Kinder lebten bis zur Heirat bei ihr, Hilfe bei der Partnerwahl sei nötig und später bei der Betreuung der Enkelkinder. Entscheidungen über eine lebenslange Institution wie die Ehe könne nicht dem jungen Paar allein überlassen werden. Daher komme es noch immer zu vielen arrangierten Heiraten und wenig Scheidungen.66 Die Ausbildung zur Ehefrau sei sehr gründlich. Es gebe viele Colleges oder Kurzuniversitäten, in denen Frauen auf die Heirat vorbereitet werden. Von jedem Japaner und jeder Japanerin werde verlangt, dass er/sie sich seiner/ihrer Aufgabe ganz verschreibt. Die Auffassungen von Gleichheit seien anders als in den USA. Hier sei die Frau da, um dem Mann Erholung zu bieten, der Mann hingegen müsse seinen Chef unterstützen. In ihrer Sphäre habe die Frau die Autonomie. Sie sei auch die Managerin des Geldes ihrer Männer, und sie habe mehr Macht als amerikanische Hausfrauen. Sie sei nicht emotionell anhängig von ihrem Mann und brauche keinen Mann, den sie liebt. Das Gelingen in der Ehe sei nicht davon abhängig, dass die Frau die sexuellen und emotionellen Erwartungen ihres Mannes erfülle. Ein guter Mann sei gesund und abwesend, laute das Sprichwort. Jeder und jede in Japan hätten ihren oder seinen Platz. 67

Diese Thesen bleiben nicht unwidersprochen. Eine Frau wendet dagegen ein, dass das Einverständnis mit der Rollenaufteilung sich in den letzten fünf Jahren um die Hälfte vermindert habe.
Und Fuse Akiko von der Sapporo Gakuin-Universität68 macht darauf aufmerksam, dass die Zahl der Frauen, die arbeiten möchten, jedes Jahr zunimmt. Die meisten arbeiteten aus finanziellen Gründen. Japanische Ehemänner könnten nicht einmal etwas vom Boden aufheben, wenn ihnen etwas hinunterfälllt. Die Rollenverteilung werde sich nicht von einem Tag auf den anderen ändern. Auch bei arbeitenden Paaren sei die Frau total für den Haushalt verantwortlich. Sie könne sich nicht auf den Konkurrenzkampf im Beruf konzentrieren. 

Eine Teilnehmerin hebt hervor, dass die professionelle Hausfrau viel verunsicherter sei und viel mehr Konflikte habe als bisher gezeigt. Man werfe ihr vor, sie führe ein Leben mit „drei Mahlzeiten und Mittagsschlaf“ oder dass japanische Hausfrauen fünf Stunden am Tag fernsehen. Aber viele würden gerne arbeiten, können jedoch nicht arbeiten gehen, weil es dagegen viel Widerstand gibt. Viele fühlten sich unwohl in ihrer gegenwärtigen Situation. Bei der aktuellen Arbeitsteilung sei es für eine Frau sehr schwer, arbeiten zu gehen. Es gebe zu wenig soziale Einrichtungen für Frauen, und das Problem werde noch ernster werden. Die Gesellschaft müsse beitragen, dass Frauen arbeiten gehen können. Und: Es gebe keine Freiheit der Wahl für Frauen: Will ich in erster Linie Hausfrau sein oder nicht?69


Geänderte Lebensläufe

Ein Grund, warum sich Frauen in der ihnen zugeteilten Rolle, die sich auf den häuslichen Bereich, Kinder, Schule und Altenbetreuung beschränkte, nicht mehr wohl fühlten, war die steigende Lebenserwartung. Darauf machte mich in diesem Sommer 1978 schon Moriyama Mayumi, die damalige Leiterin des Büros für Frauen und Jugendliche im Arbeitsministerium aufmerksam. 

Ilse Lenz schildert in einem 1990 publizierten Aufsatz die Veränderungen im durchschnittlichen Lebensverlauf einer japanischen Frau durch die gestiegene Lebenserwartung: Eine Frau, die 1905 zum Zeitpunkt der Konsolidierung der Industrie und des Sieges des japanischen Kaiserreiches über Rußland geboren wurde, besuchte die Schule nur bis zum 13. Lebensjahr. Sie heiratete mit 23 und gebar erst 15 Jahre später mit 38 ihr letztes Kind. Wenn dies zur Schule kam, war sie 44,5 Jahre alt. Bei dessen Heirat ging im städtischen Milieu die „Mutterarbeit“ dem Ende zu – aber noch im gleichen 63. Lebensjahr der Mutter war die duchschnittliche Lebensdauer ebenfalls zu Ende. Der Tod folgte auf den Abschied vom letzten Kind. 

Ihre 1959 geborene „statistische Enkelin“ besucht die Schule sieben Jahre länger; sie heiratet mit 24,5 Jahren zwei Jahre später. Da sie das letzte Kind mit 29 Jahren zur Welt bringt und sie bei seinem Schulantritt 35,5 Jahre alt ist, verkürzt sich die Phase der intensiven Kinderbetreuung drastisch. In dessen ersten vier Lebensjahren wird sich die Mutter wegen der vorherrschenden Normen und des Fehlens alternativer Betreuungsmöglichkeiten auf das Kleinkind konzentrieren. Danach aber werden Mütter zunehmend als Arbeitskraft-Reserve für Kurzzeitbeschäftigung betrachtet. Die Heirat des jüngsten Kindes fällt nun mit dem Pensionsalter von 55 Jahren zusammen. Die auf Hausfrauenehe und Paarexistenz reduzierte Lebensphase hat sich auf über 25 Jahre ausgedehnt. 

Lenz: „So erweist sich das ideologische Bild als brüchig, das Frauen nur der Hausarbeit und der Kinderversorgung zuordnet. Es handelt sich gegenwärtig um eine vorübergehende Phase von zehn bis höchstens zwanzig Jahren, also meist weit weniger als ein Viertel des Frauenlebens!“
Lenz fügt noch hinzu, dass Frauen in den Altersgruppen über 40 auf den Arbeitsmarkt vordringen. Während 1960 mehr als die Hälfte der weiblichen abhängig Beschäftigten unter 30 Jahre alt waren, so sei die Mehrheit um 1980 über 35 und auch in der Altersgruppe über 40 deutlich angewachsen. Allerdings konzentrierten sich diese Frauen in ungesicherten Beschäftigungsformen wie Teilzeit- oder Gelegenheitsarbeit.70
Die Zahl der Teilzeit- und befristeten Arbeitsverhältnisse wuchs zwischen 1973 und 1980 um ein Drittel. Insgesamt stieg die Zahl der arbeitenden Frauen von 1975 bis 1985 um 35 Prozent rapide an, und von 1984 an gab es mehr berufstätige Frauen als Vollzeit-Hausfrauen.71


Frauennetzwerkbewegung

Ab 1975 sprechen Lenz und Mae von der zweiten Phase der neuen japanischen Frauenbewegung. Viele Frauen aus dem von Lenz geschilderten Pool an Frauen nach der intensiven Kindererziehungsphase machten Schritte hinaus aus der privaten Welt in die Gesellschaft. Ob aus finanziellen Gründen oder weil sie ein unabhängiges Leben auf „ihrem eigenen Weg“ suchten – „jibun no michi wo sagasu“ ist ein häufiger Satz, den ich damals bei meinen Interviews hörte - , die Frauen begannen jedenfalls auf vielfältige Weise die bisherige starre Rollenzuschreibung in Frage zu stellen und einen Kampf um Anerkennung als eigenständiges Individuum mit dem Recht auf eigene Lebensgestaltung. „Nach 1975 und besonders in den 80er Jahren haben immer mehr Frauen in Japan eine Netzwerkbewegung aus Gruppen entwickelt, die – anders als traditionelle Organisationen - durch individuelle, selektive Beziehungen zur Realisierung bestimmter Zielvorstellungen gebildet werden und keine hierarchische Organisationsform haben. In den 80er Jahren – manchmal auch schon früher – haben sie damit begonnen, vielfältige Aktivitäten zu entwickeln, die man zusammenfassend als Frauennetzwerkbewegung bezeichnen könnte, und die seitdem ein wichtiger Teil der japanischen Frauenbewegung geworden sind“, berichtet Mae.72

Viele Frauen hätten, so setzt sie fort, neue Arbeitsformen und alternative selbst bestimmte Arbeitsweisen geschaffen, die weniger auf Produktivität und Profit, sondern auf soziale und ökologische Verträglichkeit und auf Solidarität ausgerichtet seien. Auch im sozialen Wohlfahrtsbereich wurden Alternativen aufgebaut, „durch die statt unpersönlicher Dienstleistungen die menschlichen Beziehungen selbst in ihrer Unmittelbarkeit erfahrbar werden. Und schließlich haben sie aus ihren Aktivitäten neue Partizipationsformen entwickelt, durch die sie ihre Vorstellungen, Ideen und Werte in die bestehenden politischen Strukturen einführen können.“ 

Die Trägerinnen dieser Aktivitäten waren weitgehend Hausfrauen, wenn auch im erweiterten Sinn, dass sie auch Teilzeit oder sogar Berufstätige miteinschlossen. Mae: „Durch die stark ausgeprägte geschlechtliche Segregation weisen die neuen sozialen Bewegungen in Japan seit den 70er Jahren die Besonderheit auf, dass sie vor allem von Hausfrauen getragen wird, die in der jeweiligen Region schon lange leben, wirtschaftlich relativ wohlhabend sind, einen höheren Bildungsstandard haben und die Phase der Kindererziehung hinter sich gebracht haben.“


Warum werden Frauen aktiv?

Auch in Imai Yasukos Gruppe „Hamamatsu Fujin Konwakai“ wurden vor allem Hausfrauen bzw. genauer gesagt Frauen, die aus ihrem Hausfrauendasein ausbrachen, aktiv. Ilse Lenz hat im Herbst 1997 an 340 Frauen eine empirische Untersuchung zu Motivation, Praxis und Organisationsverständnis von Frauen in der neuen japanischen Frauenbewegung durchgeführt, die mir in Hinblick auf diese Gruppierung sehr aufschlussreich erscheint.73 Wie sie anmerkt, sind die Daten nicht repräsentativ, dürften aber eine Annäherung an die sozialstrukturelle Zusammensetzung erlauben. Als Ergebnis der Untersuchung entsteht das Bild der frauenbewegten Frau „als Allround-Frau, die sich in Beruf, Partnerschaft – teils in Mutterschaft – und feministischen und anderen Netzwerken engagiert.“ 

Die Frauen, die Lenz antworteten, waren zwischen dreißig bis über 70 Jahre alt, sehr gut gebildet und überwiegend berufstätig. Sie lebten oft mit Männern, die sie meist unterstützen, seltener mit Frauen. Zirka ein Drittel waren ledig. Viele waren Mütter, meist mit erwachsenen Kindern.
Das Interesse und das Bewusstsein für Frauenprobleme entstanden meist in der Zeitspanne zwischen Oberschule, Universität und in den ersten Jahren nach der Eheschließung oder im Beruf. „Zum Gefühl der ungerechten Behandlung der Frauen in der Familie, treten Erfahrungen der Unterordnung und Restriktion auf die Geschlechtsrollen beim Übergang in ein Erwachsenenleben: so etwa die Diskriminierung im Beruf oder der plötzliche einengende Rollendruck, wenn die Frauen selbst heirateten und eine Familie gründeten.“

Maßgebende Motivation für ein Engagement in der Frauenbewegung waren also persönliche Erfahrungen im sozialen Nahfeld. "Dabei handelte es sich mehrheitlich um Erfahrungen von Irritation oder Ungerechtigkeit, die zur Hinterfragung des Alltagskonsenses über die Geschlechterungleichheit führten. Aber es gab auch positive Impulse von Vorbildern und tradiertem Wissen über die Bedeutung von eigenständigen und demokratischen Ansätzen für Frauen." Neben den Erfahrungen im persönlichen Umfeld sind die Auseinandersetzungen mit Öffentlichkeit und Politik und die Begegnung mit der Frauenbewegung zu nennen.

Familie und Bildung waren also die wichtigsten Kontexte der persönlichen Erfahrung, die herrschende Geschlechterordnung zu hinterfragen. An dritter Stelle stand der Beruf: Steine des Anstoßes waren die Vereinbarkeit, deren Lasten nur auf den Schultern der Frau liegt und die Diskriminierung am Arbeitsplatz. Bei vier Frauen (von 64 Antwortenden) waren Impulse aus dem Ausland oder ein Auslandsaufenthalt wichtig für ihr Interesse.
Die Frauen in der japanischen Frauenbewegung, so Lenz, sind überwiegend organisiert aktiv. Sie engagieren sich vor allem in kleinen Gruppen, die miteinander vernetzt sind, Nachrichten austauschen und gemeinsam Aktionen oder Kampagnen angehen. Die Gruppen werden meist vom freiwilligen Engagement der Mitglieder getragen.
Neben der Vermittlung von Wissen, Kompetenz und Selbstvertrauen ist die Gruppe ein „Freiheits-Raum“ dafür, die eigene Individualität und Subjektivität zu entfalten. Es geht um die Freisetzung des eigenen Potentials, sein eigenes Leben zu leben und „so zu sein, wie ich bin“. Die Gruppe bietet auch menschliche Beziehungen und Kommunikation. Andere Frauen teilen die eigenen Gefühle und es entwickelt sich eine langzeitliche Vertrautheit. Darüber hinaus erfahren die Frauen Unterstützung und Beratung in ihrem Leben. 

Die Gruppen bilden „einen Freiraum zur Individualisierung in der `Konsensgesellschaft´". „Bei den Leuten in der Gruppe kann ich ehrlich meine Meinung und meine Gefühle äußern“, ist eine Antwort, die Lenz erhielt. Oder: „Dass man akzeptiert wird, auch wenn man die eigenen Gefühle, Denkweisen, Zweifel usw. voll ausspricht und dass die Anderen sich auch ehrlich äußern“. Und: „Die gegenseitige Hilfe und Kooperation unter Freundinnen ist wohltuend.“
Die Motive der Frauen für ihre Teilnahme an der Frauenbewegung liegen also dieser Untersuchung nach vor allem im persönlichen Bereich der "Selbstveränderung oder der Subjektwerdung", dem Zugang zu Informationen und Wissen, sowie der Kommunikation und den menschlichen Beziehungen in der Gruppe, fasst Ilse Lenz zusammen.
Aber auch der gesellschaftliche Einfluss und die Praxis sind wichtig, stehen jedoch weniger im Vordergrund. Die Machtfrage werde nicht einmal gestellt. Vielmehr richtet sich das Veränderungsmodell auf einen allmählichen Wandel in vielen kleinen Schritten.

Probleme seien einerseits Tendenzen zur Hierarchisierung, Gruppendruck und gegenseitige Blockierung, die an Vorstellungen einer horizontalen und effektiven Struktur gemessen werden. Anderseits ist ein gravierendes Problem für die Frauen die extreme Knappheit an Ressourcen. Jenseits der Nutzung von Räumen in den städtischen Zentren für Frauen erhalten die Gruppen kaum öffentliche Mittel. Eng damit in Verbindung stehen persönliche Fragen, wie die Vereinbarkeit der Frauenbewegung mit der Kinderversorgung und dem Beruf.
Ilse Lenz folgert: „Die Gruppen sind aber nicht einfach eine `Erweiterung des persönlichen Raums´, sondern sie stehen am Schnittpunkt von `persönlich´ und ´öffentlich´: Sie wirken auf den Staat, die Region, Verbände (Unternehmen, Gewerkschaften), die Gesellschaft und die Medien ein. Ich möchte vorschlagen, von einer feministischen Semiöffentlichkeit zu sprechen, die durch die Frauenbewegungen, ihre Gruppen und Netzwerke konstituiert und aufrechterhalten wird. Und die Kommunikation, die als eine Entwurfsfläche alternativer Interpretationen zum herrschenden Konsens und als Experimentierfeld für horizontale und partizipative Gruppenprozesse genutzt wird, ist ein wesentliches Medium zur Schaffung und Reproduktion dieser Semiöffentlichkeit.“ Das „Meer der japanischen Frauengruppen“ scheint sich, wie Lenz poetisch formuliert, „aus einer Unmenge kleiner Kraftzentren zusammenzusetzen, die wie Whirlpools in sich differenzierte Strömungen hervorbringen und sich über feine, teils personale Netze verständigen können.“
Eines dieser kleinen Kraftzentren bildete die Hamamatsu Fujin Konwakai, in der Imai Yasuko und ihre Freundinnen aktiv waren.74


Literatur

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Aus dem Internet alphabetisch nach Themen:

Fufu bessei (getrennte Namen der Ehepartner): http://ja.wikipedia.org/wiki...

Fuse Akiko: http://read.jst.go.jp/public/... 21.9.2011, 11.42 Uhr

Geburt: http://www.happy-mama.com/16_premama/before/16_bf_hoken.html, 22.9.2011, 14.46 Uhr

Heirat (Liebesheirat, arrangierte Ehe): http://www2.ttcn.ne.jp/honkawa/2455.html , 27.9.2011, 10.24 Uhr

Ichikawa Fusae: http://en.wikipedia.org/wiki/Fusae_Ichikawa, 12.9.2011, 10.55 Uhr;
http://ruthlinhart.com/texte_21.htm, 12.9.2011, 10.56 Uhr

Kokusai gendâ gakkai, International Society for Gender Studies: http://isgs-japan.org/history.html

Moriyama Mayumi: http://www.kantei.go.jp/foreign... 12.9.2011, 10.47 Uhr und
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Scheidungsrate: http://www2.ttcn.ne.jp/honkawa/2777.html, 27.9.2011, 10.33 Uhr

Suzanne H. Vogel: http://www.24-7pressrelease.com/press..., 21.9.2011, 11.38 Uhr

Tsuda Umeko, Tsuda College: http://en.wikipedia.org/wiki/Tsuda_Umeko, 12.9.2011, 10.39 Uhr

Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW): http://de.wikipedia.org/wiki..., 19.9.2011, 10.02 Uhr



Anmerkungen

1 Der Artikel wurde der in Arbeit befindlichen Biographie Imai Yasuko und ihre Welt entnommen und leicht abgewandelt.

2 Zu tonderu onna: Mackie (2003): 162; Linhart (1980), 10-11

3 Mackie (2003):  156

4 Mae (1997): 232

5 Linhart (1978): AUF 17/1978, 44-45

6 Alle nicht mit Zitaten versehenen Angaben über meine Reportagen im Sommer 1978 stammen aus meinen damaligen Reisenotizen, über Aida Kôbô Reizenotizen 1978, Heft I.

7 Krankenkassen zahlen auch heute normale Geburten nicht, jedoch bei Komplikationen. Einen Teil der Kosten übernehmen die Präfekturen. Siehe http://www.happy-mama.com/...,.

8 Linhart 1978c; weiters Reisenotizen aus dem Sommer 1978,VI

9 Linhart: 1978b, Reisenotizen 1978, I

10 Tsuda College: Eine private Frauenuniversität (Tsuda juku daigaku), die 1900 als „Tsuda Eigaku Juku“ (Tsuda Schule für Englisch-Unterricht) von Tsuda Umeko gegründet und 1948 eine Universität wurde. Zu Tsuda Umeko siehe http://en.wikipedia.org/wiki/Tsuda_Umeko und Furuki, (1991).

11 Seit 1980 war Moriyama Parlamentsabgeordnete der LDP, 1992 bis 1993 Erziehungsministerin sowie 2001 und 2003 Justizministerin. Leider kann ich meinen Artikel über Moriyama Mayumi nicht mehr finden. Ich zitiere daher aus meinen Reisenotizen vom Sommer 1978, II, sowie aus dem Internet: http://www.kantei.go.jp/foreign... und http://en.wikipedia.org/wiki/Mayumi_Moriyama.

12 Linhart, Reisenotizen 1978, II

13 Beide Interviews: Linhart, Reisenotizen 1978, III

14 Informationen über Ishikawa Fusae: Linhart !981) und http://ruthlinhart.com/texte_21.htm; Mackie (2003): 176; Tomida (2004): 388 und Reisenotizen 1978, IV. Weiters siehe Japanische Frauen und der Fünfzehnjährige Krieg , Kapitel "Die Haltung der Feministinnen" und Japanische Frauen und die amerikanische Besatzung.

15 Linhart: Reisenotizen 1978, VI

16 Mackie (2003): 123

17 Romanovsky (1981): 288

18 Lenz (1990): 87

19 Imai (1979): Post 43

20 Mackie (2003): 122f

21 Gordon (2005): 423-460; die Darstellungen in diesem Kapitel sind dem Artikel von Gordon entnommen, außer sie werden gesondert zitiert.

22 Gordon (2005) 426

23 Hamamatsu shi joseishi gurûpu suzukake no ki (1997): 228

24 Heute gibt es Firmenlehrgänge und Kurse in den Erwachsenenbildungseinrichtungen, die Männern Kochen und den richtigen Umgang mit ihren Frauen beibringen. Dies passiert im Zuge der Bemühungen, Frauen die Kombination von Familie und Beruf zu erleichtern und die Geburtenrate wieder zu steigern.

25 Gordon (2005): 448

26 Eine empfehlenswerte Lektüre ist Ariyoshi Sawakos Roman Kôkotsu no hito, auf Englisch als The Twilight Years erschienen.

27 Mackie (2003): 156f

28 Das Buch "Frauenbewegung in Japan: Gleichheit, Differenz, Partizipation" von Ilse Lenz, Michiko Mae und Toshiko Himeoka ist für März 2012 angekündigt.

29 Lenz (2000): 97

30 Mae (1997): 210f

31 Mae (2000): 23

32 Lenz (2000): 98

33 Mae (1997): 232

34 Lenz (2000): 96

35 Lenz (2000): 97

36 Lenz (2000): 97

37 Mackie (2003): 155f

38 Lenz (2000): 99

39 Mae (2000): 33; siehe dazu auch Linhart: Japanische Frauen und der Fünfzehnjährige Krieg, Kapitel „Militärbordelle“, http://www.ruthlinhart.com/japan_35.htm, 15.9.2011, 09.46 Uhr

40 Germer (2003): 934; Germer hat in ihrem Buch eine ausführliche Darstellung über Takamure Itsue, ihr Werk und die japanische Frauengeschichtsforschung geliefert.

41 Nagai (1990): 141

42 Lenz (2000): 98

43 Lenz (2000): 98

44 Mae (2000): 30

45 Mae (2000): 31

46 Mae (2000): 31

47 Mae (2000): 32

48 Mae (1997): 240

49 Lenz (2000): 99, ebenso das folgende Zitat

50 CEDAW: Das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau, abgekürzt CEDAW (englisch: on the Elimination of All Forms of Discrimination Against Women; japanisch: Fujin ni kansuru arayuru keitai no sabetsu no teppai ni kansuru jôyaku) ist ein Übereinkommen der Vereinten Nationen zu Frauenrechten. Es wurde am 18. Dezember 1979 verfasst und trat am 3. September 1981 in Kraft. Bisher haben 185 Staaten unterschrieben. Nicht unterschrieben haben der Iran, Somalia, Sudan, Nauru, Tonga, Niue und der Vatikanstaat. Die USA haben unterschrieben, aber noch nicht ratifiziert. Die große Zahl der Unterzeichner-Staaten darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es eine immense Zahl an Vorbehalten (reservations) gibt, somit nicht alle unterzeichneten Staaten sich zu allen Artikeln des CEDAW verpflichten. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/..., 19.9.2011, 10.02 Uhr

51 Mackie (2003): 178

52 Lenz (2000): 100

53 Mackie (2003) 176-179; Lenz (2000): 99

54 Siehe dazu auch Claudia Weber: Chancengleichheit per Gesetz, in Linhart, Wöss, Nippons neue Frauen, 104 – 125

55 Coulmas (2007): 87

56 Mackie (2003): 189

57 Mackie (2003): 189f

58 Mackie (2003): 191

59 Lenz (2000): 103

60 siehe http://ja.wikipedia.org/wiki/... und Linhart, Ruth Japanische Frauen und die amerikanische Besatzung, 1945-1952

61 Siehe dazu: Coulmas (2007): 84-91

62 Zitate Lenz (2000): 100

63 siehe http://isgs-japan.org/history.html, 9.9.2011, 10.47 Uhr

64 Mae (2000): 38f

65 siehe Vogel S.H (1978a):150-155; laut http://www.24-7pressrelease.com/press... schreibt sie derzeit an dem Buch "Japanese Professional Housewife: Fifty Years of Change."

66 Nach http://www2.ttcn.ne.jp/honkawa/2455.html gab es seit den 1930iger Jahren bis zum Jahr 2005 eine stetige Zunahme der sogenannten Liebesheirat (renai kekkon). Die arrangierten Heiraten (miai-kekkon) nahmen drastisch ab. 1975-79 gab es demnach 66,7 % Liebesheiraten und 30,4 % arrangierte Ehen. 2000-2005 lag das Verhältnis bei 87,2% zu 6,2%.. Auf derselben website werden auch die verschiedenen Arten, Partner kennenzulernen, statistisch aufgeschlüsselt. Quelle ist die Shusseidôkôkihon-chôsa (Basisuntersuchung zum Geburtentrend), die vom Kôseisrôdôsho, dem Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt, durchgeführt wird.

Entwicklung der Heiratsrate und der Scheidungsrate in Japan 1880 bis 2010 siehe: http://www2.ttcn.ne.jp/honkawa/2777.html Quelle: Jinkôdôtaitôkei (Demographische Statistik) des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt. Demnach betrug die Scheidungsrate 1970 zirka 10%, 1980 zirka 20% und 2010 zwischen 35 und 40 %. In Österreich lag die Scheidungsrate 1981 bei 26,5%, 2010 bei 43 %, wobei sowohl in Japan wie auch in Österreich die höchste Scheidungsrate Anfang der 2000der Jahre zu verzeichnen war. Siehe dazu auch http://www.statistik.at/... 30.9.2011, 10.11 Uhr.

67 Zu diesem Thema siehe auch: Linhart (1991).

68 zu Fuse Akiko: http://read.jst.go.jp/public/...

69 Die Erinnerungen an die erste Tagung der Vereinigung für Frauenforschung (Kokusai Josei Gakkai) vom 24. -28. Juli 1978 stammen aus den Notizen, die ich mir als Zuhörerin der Tagung machte. (Japan-Reisenotizen 1978, Heft IV)

70 Zitiert wurde aus Lenz (1990): 76f

71 Mackie (2003): 187

72 Zitate von Mae (2000): 37-39

73 Die folgende Darstellung dieser Untersuchung und die Zitate stammen aus Lenz (2000): 106-130

74 Auf die „Hamamatsu fujin Konwakai“ will ich in einem eigenen Aufsatz eingehen.


Ruth Linhart | Japanologie | Biographieprojekt Imai Yasuko Email: ruth.linhart@chello.at