Ruth Linhart | Japanologie | Biographieprojekt Imai Yasuko


Japanische Frauen und die amerikanische Besatzung


Die amerikanische Besatzung Japans dauerte von 1945 bis 1952. Besonders die ersten Jahre dieses Zeitraums brachten weit reichende gesetzliche Reformen. Vor allem die neue Verfassung, das reformierte Bürgerliche Gesetzbuch und die Erziehungsreform eröffneten Frauen neue Wege als Individuum und Staatsbürgerin. Aus heutiger Sicht fehlt es jedoch auch nicht an feministischer Kritik an den politischen Entwicklungen und dem Frauenverständnis der Nachkriegszeit. 1


„Wenn ich sagen soll, was in der Geschichte gut war, dann offensichtlich, dass Japan den Krieg verloren hat,“ sagt Imai Yasuko in der Rückschau auf ihr Leben. Ohne die Reformen der Nachkriegszeit hätte es, so ist sie überzeugt, ganz anders ausgesehen.2 Denn die ersten Nachkriegsjahre 1945 bis 1947 sind gekennzeichnet durch eine Umwälzung auf vielen Gebieten. Demokratisierung war das große Schlagwort dieser Jahre. Eine neue Verfassung, in der Japan dem Krieg abschwor und die Frauen die Gleichberechtigung brachte, die Abschaffung des „ie“, des Hauses als soziale Einheit der Bevölkerung, im Bürgerlichen Gesetzbuch, eine Landreform, die die Besitzverhältnisse und das Leben der Menschen in den Dörfern grundlegend änderte und nicht zuletzt, eine Schul- und Universitätsreform, die Mädchen weitgehend dieselben Ausbildungsmöglichkeiten wie Buben bot, das sind einige der wichtigsten rechtlichen Meilensteine dieser Epoche.

Am 15. August 1945 verkündete der japanische Kaiser die Kapitulation. Am 30. August landete der amerikanische General Douglas MacArthur in Atsugi bei Tokyo, wo noch vor kurzem kamikaze-Kämpfer trainiert hatten.3 Am 2. September unterzeichnete der Tennô die japanische Kapitulationserklärung auf dem Kriegsschiff Missouri im Hafen von Tokyo. Erst dann wurde vielen Japanern und Japanerinnen, die die Radioansprache des Kaisers am 15. August 1945 nicht gehört oder schlecht verstanden hatten, klar, dass Japan wirklich den Krieg verloren hatte.

Politisch aktive Japaner wussten jedoch sofort, was die Stunde geschlagen hatte, und trafen sich bereits zehn Tage nach der Ansprache des Kaisers, so die leitenden Persönlichkeiten der früheren sozialistischen Parteien. Am 25. August kamen auch bereits 72 Frauen zusammen und gründeten das Frauenkomitee für Nachkriegsmaßnahmen (Sengo taisaku Fujin iinkai).4 Ichikawa Fusae, prominente Verfechterin des Frauenwahlrechtes, die während des Krieges leitende Funktionen in patriotischen Gremien innegehabt hatte, gehörte natürlich zu diesen Frauen.5 Am 24. September formulierten sie eine Petition an die Regierung und die politischen Parteien und setzten den Kampf für politische Mitbeteiligung, den sie bereits vor dem Krieg gekämpft hatten, fort. Sie verlangten konkret das Wahlrecht für Frauen über 20, das Recht für Frauen über 25 bei Wahlen zu kandidieren, die Revision des Ordnungs- und Polizeigesetzes (jiankeisatsu-hô), das Frauen politische Betätigung verbot, die Aufnahme von Frauen in den Staatsdienst und die Reform der Regierung.6

Alle diese Forderungen wurden in der Folge erfüllt.

Ohne Zweifel hätte es, wie Imai Yasuko sagte, diesen schnellen Aufbruch nicht gegeben, wenn Japan nicht den Krieg verloren hätte. Sowohl der Tennô wie auch die japanische Regierung waren nun dem Generalhauptquartier des Oberkommandierenden der alliierten Mächte (Supreme Commander of the Allied Powers, abgekürzt SCAP) unterstellt. Tatsächlich bestand die Besatzung Japans aus Vertretern mehrerer Siegermächte, und beratend beigegeben war dem SCAP ein Alliierter Rat für Japan aus Vertretern der USA, Großbritanniens, der UdSSR und Nationalchinas. Die Amerikaner spielten jedoch unter den Besatzungsmächten eine so dominierende Rolle, dass man von einer amerikanischen Besatzung sprechen kann.7

Diese amerikanische Besatzungsmacht unter General Douglas MacArthur kam mit dem Ziel nach Japan, hier die Demokratie einzuführen. Wie das SCAP am 11. Oktober 1945 die japanische Regierung informierte, sollten die fünf Säulen der Nachkriegsreformen folgende Punkte sein: volle politische Rechte für Frauen, volle politische Rechte für Arbeitnehmer inklusive Gewerkschaftsfreiheit, Demokratisierung des Erziehungswesens, die Auflösung der Geheimpolizei und die Demokratisierung monopolistischer Wirtschaftsstrukturen, d.h. Zerstörung der zaibatsu, der Wirtschaftsimperien. Sie sah man als finanzielle Basis und Triebkraft für den japanischen Imperialismus an.8 Viele der zahlreichen Reformen, die unter der Besatzung durchgeführt wurden, waren aber „transwar endeavours“ – Bestrebungen, die in Japan schon vor dem Krieg betrieben worden waren. Daran knüpfte man eigenständig von japanischer Seite sofort nach dem Krieg wieder an.

Das war wie schon gesagt der Fall bei den Frauenrechten, aber auch bei der Erziehung, den Gewerkschaften und der Landreform. Möglich wurde dies unter anderem auch deshalb, weil die Allliierten – anders als in Deutschland – die japanische Regierung nach der Kapitulation im Amt ließen und eine gewisse personelle Kontinuität tolerierten.9 Auf anderen Gebieten gab es wenig japanische Unterstützung für die Absichten der Besatzung, wie zum Beispiel bei der Auflösung der zaibatsu und der von den Amerikanern gewünschten Dezentralisierung in vielen Bereichen. 10

Es ist aber anzunehmen, dass ohne den Druck der amerikanischen Besatzungsmacht auch jene Gesetzesmaterien, die auf japanischer Seite bereits vor dem Krieg in Angriff genommen und nach Kriegsende wieder aufgegriffen wurden, nicht so rasch und radikal verwirklicht worden wären, wie es tatsächlich geschah.


Reformzeit 1945 bis 1947

1945 bis 1947 wurden unter dem Aspekt der Demokratisierung und Demilitarisierung folgende Maßnahmen gesetzt und Reformen beschlossen:

Oktober 1945:

SCAP befreit Mitglieder der kommunistischen Partei, die als einzige weltanschauliche Gruppe ständig gegen das Kriegsregime Widerstand geleistet hatten, aus den Gefängnissen.

Auflösung des Ordnung- und Polizeigesetzes, Aufhebung des Gesetzes zur Generalmobilmachung.11

Außerdem formuliert wie oben bereits erwähnt MacArthur die Gleichberechtigung der Frauen, die Ermutigung von Arbeiterorganisationen, eine Erziehungsreform, die Abschaffung der Geheimpolizei und die Demokratisierung der ökonomischen Institutionen als die fünf Säulen der Nachkriegsreform.12 Redefreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, das Recht, Gewerkschaften und landwirtschaftliche Genossenschaften zu organisieren, werden garantiert.13

November 1945:

Die japanischen Streitkräfte werden aufgelöst, die Rüstungsproduktion wird untersagt.

In Vorbereitung der Parlamentswahlen im darauf folgenden April kommt es zu zahlreichen Parteigründungen, u.a. entsteht zum ersten Mal legal die Kommunistische Partei 14, aber auch die Nihon Shinpôtô (Fortschrittspartei), die zu einem großen Teil aus Mitgliedern der ehemaligen Taisei Yokusankai (der 1940 gegründeten quasi-Einheitspartei der „Kaiserlichen Unterstützungsgesellschaft“) bestand.15 Nach Fusion mit anderen Gruppierungen ging aus ihr 1954 die Demokratische Partei Japans (Nihon Minshûtô) hervor.16 Ihre Konkurrentin im konservativen Lager wurde die konservative Liberale Partei Japans 17(Nihon Jiyûtô, ab 1950 Jiyûtô18). Neu gründete sich auf der konservativen Seite die Kooperative Partei Japans (Nihon Kyôdôtô)19 Auf der linken Seite formierte sich neben dem Kommunisten die Sozialistische Partei (Nihon Shakai-tô). 20

Dezember 1945:

Revision des Wahlrechts, Frauenwahlrecht

Das Parlament beschließt ein Gewerkschaftsgesetz21, Koalitionsfreiheit, kollektive Verhandlungsführung und Streikrecht werden garantiert. Ein Verbot von Kinderarbeit wird erlassen.22

Die japanische Zensurbehörde wird aufgelöst. Gleichzeitig wird ein Zensurprogramm des SCAP eingesetzt, das eine Unterstützung des Militärs oder militärischen Regimes verhindern soll 23 und auch, um die „grundlegende Denkweise der japanischen Massen zu verändern“.24

Erlass der „Shintô-Direktive“, mit der der Staats-Shinto, der für die Militarisierung und Ideologisierung der Gesellschaft missbraucht worden war, abgeschafft wird. 25

Jänner 1946:

Am 1. Jänner 1946 erlässt der Tennô das Kaiserliche Edikt über den Wiederaufbau eines neuen Japan (Shin-nihon-kensetsu ni kansuru shôsho). Darin widerruft er den Anspruch auf Göttlichkeit und auch den des japanischen Volkes, über den anderen Rassen zu stehen und die Welt zu regieren.26

Die Besatzung beschließt eine Richtlinie zur politischen Säuberung. Die erste Säuberungswelle durch SCAP im April bewirkt die Auflösung von militärischen und nationalistischen Organisationen. Etwa 1000 Personen, die als Nationalisten galten oder in der Kolonialverwaltung bzw. in der Kriegswirtschaft hohe Posten besetzt hatten, werden aus Parteien, Verwaltung, Militär und Wirtschaft entfernt. Das bedeutet einen schweren Verlust für die neu gegründeten, vor allem die konservativen Parteien, der sich auch bei den ersten knapp darauf stattfindenden Parlamentswahlen auswirkt. So verlieren die Nihon Shinpôtô von 274 Abgeordneten 260 und die Liberalen von 45 dreißig, aber auch die Sozialisten 11 von 17 Abgeordneten. 1947 gibt es eine zweite Säuberungswelle, von der zirka 200 000 Personen betroffen sind.27

April 1946:

Frauen werden generell zu Unis zugelassen.28

10. April 1946: Erste Wahlen nach dem Krieg, Frauen sind erstmals passiv und aktiv wahlberechtigt. Von 70 Kandidatinnen werden 39 gewählt. 67% der wahlberechtigten Frauen wählen.29 Von den insgesamt 464 Sitzen des Unterhauses bekommen die Liberalen 140 Sitze, die Fortschrittspartei 94 Sitze, die Sozialisten 92, die Kommunistische Partei jedoch nur 5 Sitze. Unabhängige Abgeordnete gibt es 81.30 Von den 39 Frauen verteilen sich jeweils acht auf die Fortschrittspartei, die Liberalen und die Sozialisten, es gibt 14 Unabhängige und eine Kommunistin.31

Mai 1946:

MacArthur beruft das Internationale Militärtribunal für den Fernen Osten ein. General Tôjô Hideki, Premierminister während des Krieges, und sechs andere Angeklagte werden hingerichtet, 17 Angeklagte zu lebenslanger Haft verurteilt. Bis 1956 werden aber alle Verurteilten, soferne sie nicht im Gefängnis gestorben waren, entlassen.32

Oktober 1946:

Das Parlament beschließt die Bodenreform. Durchführung bis 1950. Insgesamt darf niemand mehr als 3 ha besitzen, nur in Hokkaido dürfen die Höfe bis zu 12 ha groß sein. Die Großgrundbesitzer mussten ihr Land an den Staat verkaufen, der es sehr billig an die früheren Pächter abgibt.33

3. November 1946:

Der Kaiser verkündet die neue Verfassung, wirksam wird sie im Mai 1947.

Februar 1947:

Absolventinnen der Höheren Mädchenschulen bekommen per Erlass des Kultusministeriums das gleiche Zugangsrecht zu Oberschulen wie Absolventen der bisherigen nur Buben vorbehaltenen Mittelschulen.34

März 1947:

Das Erziehungsgrundgesetz und das Schulerziehungsgesetz werden beschlossen, alle Bildungsinstitutionen werden für Frauen geöffnet.

April 1947:

Das Parlament beschließt das Antimonopolgesetz, um Kartell- und Konzernbildung vorzubeugen.35

Das Arbeitsgrundgesetz wird beschlossen und tritt am 1. September in Kraft.

September 1947:

Das Ministerium für Arbeit wird eingerichtet. Die sozialistische Feministin Yamakawa Kikue wird erste Chefin der Sektion für Frauen und Jugend (Fujin Shônen Kyoku) im Arbeitsministerium.36

Dezember 1947:

Das neue Bürgerliche Gesetzbuch wird verkündet, es tritt am 1.1.1948 in Kraft.

Viele der geschilderten Massnahmen und Gesetze schufen bis vor kurzem ungeahnte Möglichkeiten der freien Entfaltung für die japanischen Frauen. Aber natürlich hinkte die soziale Wirklichkeit noch lange weit hinter den rechtlichen Möglichkeiten nach. Bald schon folgte mit dem Kalten Krieg und dem sogenannten „Umkehrkurs“ ein Rückschlag in der amerikanischen Demokratisierungseuphorie, und in der Wirtschaftswunderzeit der Fünfziger- und Sechzigerjahre löste das Bild der sengyôshufu, der „professionellen Hausfrau“, und der „kyôiku mama“ , der „Erziehungsmama“, das weibliche Ideal der „ryôsai kenbô“, der „guten Ehefrau und weisen Mutter“ ab. Aber derzeit befinden wir uns noch in der Aufbruchszeit direkt nach dem Krieg. Die neue Verfassung, das neue Bürgerliche Gesetzbuch, das neue Erziehungswesen und auch die neuen Regelungen in der Arbeitswelt schufen für Frauen eine gleichberechtigte Ausgangsbasis mit den Männern, von der viele bis zum Kriegsende nicht einmal geträumt hatten.

So brachte das Arbeitsgrundgesetz theoretisch gleichen Lohn für Männer und Frauen – eine natürlich bis heute nicht von der Realität erfüllte Forderung. Es reduzierte auch die Arbeitszeit auf täglich acht Stunden und verbesserte den Arbeitsschutz für Frauen und Kinder. Außerdem sah es Mindestlöhne, bezahlten Urlaub, Arbeitsschutz und Lehrlingsausbildung vor.37

Die neue Verfassung und die Reform des Familienrechtes werden im Allgemeinen als erstes genannt, wenn es um den Weg zur Gleichberechtigung der japanischen Frauen geht. Auch die Erziehungsreform war jedoch von unschätzbarer Bedeutung, da sie es war, die den Frauen in späteren Jahrzehnten einen Nachholprozess auf dem beruflichen Sektor ermöglichte.


Die neue Verfassung

Im Herbst 1945 erhielt die japanische Regierung von der Besatzung den Auftrag, die Verfassung zu liberalisieren. Die japanische Regierungsseite vertrat die Meinung, dass man nur der Verfassung von 1889 einige Gesetzespassagen hinzufügen müsste. Das war jedoch den Amerikanern zu wenig. Im Februar 1946 publizierte die Mainichi Zeitung einen japanischen Entwurf für eine neue Verfassung, der noch unfertig, aber deutlich konservativ war. Unter anderem sollte der Tennô Souverän und das japanische Heer erhalten bleiben.

Heftige Reaktionen waren die Folge. Die Presse, aber auch Tausende japanische Bürgerinnen und Bürger kritisierten in Leserbriefen den Entwurf. Es wurde deutlich, dass die Japaner kriegsmüde waren und von der neuen Verfassung mehr wollten als eine kosmetische Verbesserung. Wie in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts, als es um die erste japanische Verfassung ging, entwarfen Gruppen politisch aktiver Japaner ihre eigenen Verfassungsentwürfe, die das Volk als Souverän und garantierte bürgerliche Rechte forderten.

MacArthur seinerseits beauftragte am 3. Februar General Whitney, den Chef der Gouvernment Section des General Headquarters (GHQ), innerhalb einer Woche einen Entwurf für die Verfassung auszuarbeiten, welcher der japanischen Regierung als „Leitfaden“ dienen könnte.38

Beate Sirota Gordon war damals 22 Jahre alt. Sie stammte aus Wien und war die Tochter jüdischer Eltern. Ihr Vater war Pianist und wurde vor dem Krieg beruflich nach Japan eingeladen. Beate ging 1939 zum Studium in die USA. Die Eltern blieben während des Krieges in Japan, wurden wie auch andere Ausländer nach Karuizawa interniert, dort von der Geheimpolizei überwacht und sonst ihrem Schicksal überlassen. U.a. durften Japaner ihnen keine Nahrungsmittel verkaufen und auch beim Vater Beates keine Klavierstunden nehmen.39 Nach dem Krieg kehrte Beate als Mitglied der amerikanischen Besatzungstruppen nach Japan zurück. Ihr wurde die Aufgabe zugeteilt, für die neue Verfassung den Abschnitt über Frauenrechte zu entwerfen.

Beate Sirota Gordon erinnert sich in ihrer Biographie „The only woman in the room“: „Mit nur 22 Jahren hatte ich Ehrfurcht vor all diesen Experten. Das wenige, das ich über solche Angelegenheiten wusste, stammte aus meiner High-School Zeit. Trotzdem oder vielleicht deswegen erfüllte mich ein enormes Sendungsbewusstsein und ich war entschlossen, mein Bestes zu geben.“40 Sie beschaffte sich aus Bibliotheken die Verfassungen diverser Länder. Die amerikanische Verfassung nahm sie nicht zum Vorbild, da das Original von 1789 keine Frauenrechte enthielt. Die waren später in Form von Gesetzesnovellen hinzugefügt worden. Das Wahlrecht erhielten die US-Bürgerinnen zum Beispiel erst 1920. Besonders gefielen ihr die Verfassungen der Weimarer Republik und der Sowjetunion 41, vor allem wegen ihrer fortschrittlichen Prinzipien bezüglich sozialer Wohlfahrt für Mütter und Kinder. In ihrem Entwurf ging sie ausführlich auf diesen Aspekt ein. Aber nur der spätere Artikel 24, der die Gleichheit der Frauen in Bezug auf Ehe und Familie festhält, orientiert sich an ihren Vorschlägen, alles andere wurde bereits von dem amerikanischen Steuerungskomitee gestrichen, da es zu detailliert sei und nicht in eine Verfassung hineingehöre.42

Sirota schreibt in ihrer Biographie, dass die japanischen Beamten über den amerikanischen Entwurf, der ihnen am 13. Februar übergeben wurde, geschockt waren. Aber General Whitney habe ihnen erklärt, dass MacArthur unter Druck sei, den Tennô als Kriegsverbrecher zu behandeln, und dass die neue Verfassung mit den von den Amerikanern vorgeschlagenen Garantien ihm helfen könnte, diesem Druck zu widerstehen. Sirota wurde zu den weiteren Verhandlungen mit der japanischen Seite als Übersetzerin beigezogen. Ihren Erinnerungen nach handelte es sich beim entscheidenden Termin um eine 32stündige Marathonsitzung, die sich vom 4. auf den 5. März hinüberzog . Die Japaner hätten sich stark gegen den Bezug auf die Souveränität des Volkes im Artikel 1 gewendet. Auch gegen den von Beate Sirota selbst erarbeiteten Punkt, der Frauenrechte garantieren sollte, hätten die Japaner heftig argumentiert. Erst als sie erfuhren, dass er aus ihrer Feder stamme, hätten die japanischen Unterhändler, die sie als Übersetzerin schätzten, zugestimmt. Die amerikanische Seite ging aber auch Kompromisse ein. So ließ man den Artikel fallen, der Land und natürliche Ressourcen zu Staatsbesitz gemacht hätte und erklärte sich mit der Beibehaltung eines Zwei-Kammer-Parlaments einverstanden. „Am Abend des 6. März wurde der überarbeitete Entwurf als Werk der japanischen Regierung publiziert. General MacArthur verkündete, dass er mit der ‚neuen und Epoche machenden Verfassung´ voll zufrieden sei, so, als ob er sie noch nie im Leben gesehen hätte.“43

Heutige Wissenschafter kritisieren, dass die amerikanische Besatzungsmacht gegenüber den Japanern eine paternalistische Haltung eingenommen und die japanische Gesellschaft aus einem „orientalistischen“ Blickwinkel gesehen habe und dass ihre Vorstellung über die soziale Realität mit der Wirklichkeit in vielen Punkten nicht übereingestimmt hätte. Aber trotzdem war es so, dass die japanische Bevölkerung damals „die Reformen dankend annahm“. In einer Umfrage vom Mai 1946 waren 85 % der Japaner für die neue Verfassung.44 Auch alle politischen Parteien waren dafür – bis auf die Kommunisten, die den Tennô als Kriegsverbrecher anklagen und eine Japanische Volksrepublik wollten.45 Obwohl SCAP den in großer Eile fabrizierten Verfassungsentwurf den Japanern wie oben geschildert also „einfach aufoktroyierte“, stimmte das neue Parlament im Oktober 1946 mit überwältigender Mehrheit dafür.46 Am 3. Mai 1947 trat die Verfassung in Kraft und blieb es – trotz bald einsetzender Diskussionen – bis heute.

Die Rolle des Tennô wird im ersten Kapitel der Verfassung umgrenzt. Er ist „Symbol des Staates und der Einheit des Volkes und seine Stellung leitet sich vom Willen des Volkes ab, bei dem die souveräne Macht ruht“.
So steht es im Artikel 1.

In den folgenden Artikeln wird verankert, dass er sich in der Frage der Thronfolge den vom Parlament beschlossenem Gesetz zu fügen hat und dass das Kabinett seinen Handlungen in Staatsangelegenheiten zustimmen muss bzw. dafür die Verantwortung hat. „Der Kaiser hat keine Befugnisse, die in Beziehung zur Regierung stehen“, heißt es eindeutig.

Die Artikel 41 bis 64 beschäftigen sich mit dem Parlament als dem höchsten staatlichen Organ. Es besteht weiterhin aus zwei Kammern, dem Ober- und Unterhaus, (sangiin und shûgiin), die Abgeordneten werden jedoch alle gewählt, wobei es zu keiner Diskriminierung u.a. nach Geschlecht kommen darf. 47 Prinzipiell müssen beide Kammern zustimmen, das shûgiin hat jedoch in wichtigen Fragen wie der Wahl des Premierministers, bei internationalen Verträgen oder beim Budget ein Übergewicht und kann das sangiin gegebenenfalls mit einer Zweidrittelmehrheit überstimmen. 48

Heftigster Diskussionspunkt war und ist der Artikel 9 der Verfassung, nach dem sie oft „die Friedensverfassung“ genannt wird.  

„In aufrichtigem Streben nach einem auf Gerechtigkeit und Ordnung gegründeten internationalen Frieden verzichtet das japanische Volk für alle Zeiten auf den Krieg als ein souveränes Recht der Nation und auf die Androhung oder Ausübung von Gewalt als Mittel zur Beilegung internationaler Streitigkeiten“, wird formuliert, und weiter: „Um das Ziel des vorhergehenden Absatzes zu erreichen, werden keine Land-, See- und Luftstreitkräfte oder sonstige Kriegsmittel unterhalten. Ein Recht des Staates zur Kriegsführung wird nicht anerkannt.“ Um militärischen Ambitionen noch weiter vorzubeugen, wurde im Artikel 66, der festlegt, dass die vollziehende Gewalt beim Kabinett liegt, bestimmt: „Der Ministerpräsident und die anderen Staatsminister müssen Zivilisten sein.“

Nur in der Verfassung der Philippinen von 1935 und in jener von Costa Rica von 1948 gibt es einen vergleichbaren Antikriegsartikel.49
Schon bald nach dem Zustandekommen der japanischen Verfassung, als der Kalte Krieg heftiger wurde und die USA sich in Ostasien in einen neuerlichen „heißen“ Krieg verwickelte, hätte die Besatzungsmacht USA selbst gerne daran gerüttelt. Aber Verfassungsbestimmungen können nur mit einer Zweidrittelmehrheit im Parlament und mit einer anschließenden Volksabstimmung verändert werden. Rechte Kreise und liberaldemokratische Politiker – u.a. die Premierminister Koizumi und Abe – traten mit Wohlwollen der USA heftig für eine Veränderung ein, aber es kam bisher noch nicht dazu.

Den Verzicht auf ein Heer gelang es jedoch bereits unter der amerikanischen Besatzung zu umgehen. Im Juni 1950, also kurz nach Ausbruch des Koreakrieges, „wirkte MacArthur darauf hin“,50 dass Japan eine als Polizeireserve bezeichnete Truppe aufstellte. Vorerst waren es 75 000 Mann. Seit Juli 1954 gibt es die „Selbstverteidigungstruppe“ – jieitai – mit den Aufgaben, Japan gegen feindliche Angriffe zu verteidigen und die öffentliche Ruhe im Inneren aufrecht zu erhalten. 51 2007 umfassten alle Truppen der jieitai zirka 240 800 Männer und Frauen. Japan nahm immer wieder an „friedenserhaltenden Missionen“ teil, zuletzt von 2004 bis 2008 im Irak.52 2006 belegte Japan, was die Militärausgaben betrifft, weltweit bereits Rang 5 – hinter den USA, Großbritannien, Frankreich und China.

Die Auslandseinsätze werden vor allem von linker Seite stark kritisiert. Im Juni 2004 gründeten neun prominente Intellektuelle, darunter Literaturnobelpreisträger Ôe Kensaburô, den „Verein für den Verfassungsartikel 9“. Er ist gegen die Veränderung der Friedensverfassung. Bis 2007 hatten sich in Japan rund 6000 Vereine und Gruppierungen zusammengefunden, die für den Erhalt des Friedensartikels eintreten.53

Die Nachkriegsverfassung sicherte auch Gedanken- und Gewissensfreiheit, Religionsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit und akademische Freiheit zu. Insgesamt umfasst sie 103 Artikel, und natürlich treffen diese für alle japanischen Staatsbürger und Staatsbürgerinnen zu, also auch für die Frauen. Speziell die Frauenrechte betreffen vor allem die Artikel 14 und 24.

Der Artikel 14 ist der Antidiskriminierungsartikel: „Alle Bürger sind vor dem Gesetz gleich und es gibt keine Benachteiligung in politischer, wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Hinsicht wegen Rasse, Glauben, Geschlecht, gesellschaftlicher Stellung oder familiärer Herkunft.“ Der Artikel 24 regelt die innerfamiliären Beziehungen: „Die Ehe gründet sich allein auf die gegenseitige Übereinstimmung von Mann und Frau und wird auf der Grundlage der Gleichberechtigung der Eheleute durch beiderseitige Zusammenarbeit aufrechterhalten.“ Weiters wird in Aussicht gestellt: „Hinsichtlich der Wahl des Ehegatten, des Güterrechts, des Erbrechts, der Wahl des Wohnsitzes, der Scheidung und anderer die Ehe und Familie betreffende Angelegenheiten werden vom Standpunkt der Würde des einzelnen und der wesensmässigen Gleichheit der Geschlechter Gesetze erlassen.“ Der Artikel 26 schließlich schreibt für Mädchen und Buben die gleichen Chancen bei der Erziehung vor.54

Mit zwei Briefmarken, die im Mai 1947 herausgebracht wurden, feierte man die Verkündigung der neuen Verfassung. Eine davon ziert ein Blumenstrauß. Auf der anderen, einer 50 Yen-Marke, ist eine Frau mit Baby im Arm abgebildet sowie auch der deutliche Schatten des Parlamentsgebäudes. Vera Mackie, die Autorin des Buches „Feminism in Modern Japan“ vermutet, dass diese offizielle Darstellung einer Frau anstatt eines Mannes eine neue Beziehung zwischen Frauen und Politik ausdrücken könnte und vielleicht sogar eine Reaktion auf die militaristische Politik der vorangehenden Periode sei, die ja mit männlichen politischen Führern verknüpft war. Andererseits hält die Frau ein Baby. Vielleicht sollte das Bild auf der Briefmarke einfach die Zukunft symbolisieren, und ausdrücken, dass die Ansprüche der Frauen auf Bürgerrechte in der Nachkriegszeit durch ihre Rolle als Mütter vermittelt werden. In den Widersprüchen der Abbildung auf der Briefmarke kann man einen Spiegel der Spannungen sehen, die den Kampf der Frauen um ihren Status als vollwertige Bürgerinnen in den folgenden Jahrzehnten begleiteten, folgert Mackie.55


Veränderungen im Familienrecht

Die neue Verfassung erforderte eine gründliche Revidierung des Bürgerlichen Gesetzbuches, um es in Einklang mit den neuen liberalen und egalitären Grundsätzen zu bringen.56 Für Frauen wesentlich waren vor allem die Bestimmungen im Familienrecht. Japan habe seine heutige rechtliche Verfassung der Familie der Niederlage im Zweiten Weltkrieg und der Besatzung durch die Amerikaner zu verdanken, ist eine häufige gehörte Meinung.57 Aber schon lange vor dem Krieg hatten japanische Feministinnen Veränderungen im patriarchalischen Familienrecht verlangt, und tatsächlich richtete das Justizministerium eine Kommission zur Revidierung des Bürgerlichen Gesetzbuches ein, schon bevor SCAP dies forderte.58 Auch die „Liga zur Demokratisierung des Familienrechtes“ (Kazokuhô Minshuka Kisei Renmei), die Repräsentantinnen von Parteien, Akademiker, Rechtsanwälte und Parlamentsabgeordnete umfasste, unterstützte den Abbau des bisherigen Familiensystems.59 Es gibt daher japanische Stimmen, die die Auffassung vertreten, dass Japan das alte Familiensystem aus eigenem Antrieb verändert hätte, und der Druck von Mac Arthur gar nicht nötig gewesen sei.60 .

Das Familienrecht im Meiji-Bürgerlichen Gesetzbuches war von den Strukturen und Ideen des „ie-Systems“ bestimmt gewesen, d.h. alle Mitglieder einer Familie oder eines „Hauses“ waren dem Hausherren unterstellt, und sämtliche persönliche Entscheidungen der Familienmitglieder hatten sich nicht nach dem individuellen Wohl und Nutzen zu richten, sondern nach ihren Auswirkungen auf die Familie oder das „Stammhaus“ – das „ie“. Diese Strukturen zu verändern und demokratische Ideen sowohl im Gesetzesbereich wie auch im Denken der japanischen Bevölkerung zu verankern, war nun Ziel der Besatzung und der japanischen Reformer.61 Um es gleich vorwegzunehmen, auch heute noch üben Rücksichten auf die Familie im Sinne des „ie“ großen Einfluss auf das Leben der japanischen Menschen aus. Sogar Imai Yasuko, die sich über viele soziale Normen hinwegsetzte, war davon nicht frei.

Das am 22. Dezember 1947 verkündete neue Bürgerliche Gesetzbuch, das am 1. Jänner 1948 in Kraft trat, und das neue Strafgesetzbuch berücksichtigten weitgehend die in der Verfassung vorgeschriebene Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Das vom „Ie-System“ bestimmte Familienrecht wurde geändert, das „ie“ praktisch abgeschafft. 62 Frauen traten somit bei der Heirat nicht mehr in das „ie“ des Ehemannes ein. Der Hauhaltsvorstand verlor seine Sonderstellung. Die Eheschließung und das Eheleben hatten sich theoretisch nur mehr nach dem Willen der beiden Ehepartner zu richten. Die Unmündigkeit der verheirateten Frauen in Vermögensrechten sowie das Alleinerbe und das Bestimmungsrecht des Wohnsitzes durch den Haushaltsvorstand wurden abgeschafft. Das Strafrecht beseitigte die Strafbarkeit des Ehebruchs auf Seiten der Ehefrau, und sowohl Männer wie Frauen hatten nun das gleiche Recht auf Scheidung. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte sich eine Frau nur scheiden lassen, wenn zwei männliche Mitglieder des „ie“ dies erlaubten, sie musste ihre Kinder in der männlichen Familie zurücklassen und hatte keinerlei finanziellen Ansprüche zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes.63 Die Scheidungsreform wirkte sich sofort auf die Scheidungsrate aus. 1950 war sie ungefähr doppelt so hoch wie 1943.64

Allerdings sind das eheliche Güterrecht und das Scheidungsrecht auch heute noch durch eine mangelhafte Regelung der vermögens- und unterhaltsrechtlichen Scheidungsfolgen so beschaffen, dass die Ehefrau sich häufig in einer schwächeren und abhängigen Position befindet.65 Und das sind nicht die einzigen patriarchalischen „Restbestände“ in den relevanten gesetzlichen Regelungen.

Besonders der Paragraph 730 des Bürgerlichen Gesetzbuches wird in der Literatur hervorgehoben. Er lautet: „Chokkei ketsuzoku oyobi dôkyo no shinzoku ha, tagai ni tasukeawanakereba naranai.“ Zu deutsch: „Direkte Blutsverwandte und im selben Haushalt lebende Verwandte müssen sich gegenseitig helfen“. Er fixiert die allgemeine Unterstützungspflicht innerhalb der Verwandtschaft und zwar bis zur Verwandtschaft dritten Grades, was Eltern und Kinder, Großeltern, Geschwister und Enkel sowie Onkeln und Tanten umfasst (Artikel 877). Natürlich sind auch die Ehepartner zur gegenseitigen Hilfe verpflichtet (Artikel 752).66 Diese Bestimmungen kommen zum Beispiel bei Scheidungsverhandlungen zum Tragen.67

So ist das Bild der Familie im neuen Bürgerlichen Gesetzbuch widersprüchlich. Auf der einen Seite steht die Kernfamilie mit gleichberechtigten Partnern im Vordergrund, auf der anderen Seite existieren alte Verpflichtungen und das Bild von der Familie „als Schutzgemeinschaft der Verwandten“68 weiter.

Seit der Nachkriegszeit, aber besonders seit dem Aufflammen der neuen Frauenbewegung in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts waren auch das Namensrecht und die gesetzliche Regelung zum Standes – oder Familienregister – koseki – ständiges Diskussionsthema.

Artikel 750 des Bürgerlichen Gesetzbuches sagt nur, dass „das Ehepaar wenn es heiratet, den Namen des Gatten oder der Gattin wählt.“ (Fufu ha, konin no sai ni sadameru tokoro ni shitagai, oto mata ha tsuma no shi wo shôsuru.)69 Das klingt eigentlich relativ fortschrittlich, zumindest weniger patriarchalisch als z.B. in Österreich, wo noch Jahrzehnte lang die Ehefrau automatisch den Familiennamen des Mannes annehmen musste. Die Kritik in Japan entfachte sich an der Tatsache, dass das Ehepaar sich für einen Namen entscheiden musste und dass das in der Regel der Name des Ehemannes war. Noch immer ist es gesetzlich nicht möglich, dass Ehepaare bei der Eheschließung jeweils ihren Familiennamen behalten, also einen anderen Familiennamen tragen. Das Diskussionsthema des „fufu bessei“ (getrennte Namen für das Ehepaar) erregt bis heute die Gemüter. Schon seit 1955, aber besonders, seit im Rahmen der UNO 1980 „das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau“ in Kraft trat, das Japan 1985 ratifizierte, diskutiert man über die gesetzliche Fixierung des „fufu bessei“. 2009 brachten die Oppositionsparteien bisher zum letzten Mal einen parlamentarischen Antrag ein. In Befragungen äußern sich relativ stabil etwas über die Hälfte der befragten Personen gegen die Einführung und etwas über 30 Prozent dafür.70

Was das „koseki-Gesetz“, das Familienregister-Gesetz, angeht, so wird in Japan die Einzelperson in einem Standesregister erfasst, das jeweils für eine Familie angelegt wird. „Auf diese Weise bleibt der einzelne Japaner mit seiner Großfamilie jedenfalls durch die Registrierung auf das engste verbunden. Die Öffentlichkeit des koseki unterstützt zudem dessen Funktion als moralisches Kontrollinstrument und als Nachweis ‚ordentlicher Familienverhältnisse´“, schreibt Westhoff in seinem Buch „Das Echo des Ie“. Alle Japaner bemühten sich um ein „reines koseki“, d.h. sie versuchen, ihr Standesregister von Eintragungen, die als nachteilig angesehen werden, freizuhalten. Dazu gehören vor allem nicht eheliche Geburten. „So hält das koseki-System die patriarchal-hierarchische ie-Ideologie nicht nur formal aufrecht, sondern vermittelt sie jedem einzelnen Japaner“.71

Imai Yasuko zum Beispiel war bis zu ihrem Tod im väterlichen „koseki“ registriert. Ihr „honseki“ – was mit „Hauptwohnsitz“ oder besser „familienrechtlicher Wohnsitz“ übersetzt wird – war stets die Adresse des Vaters, zuerst jene in der Präfektur Gumma, wo der Vater aufgewachsen war, dann die Adresse in Sapporo, wo sie ihre Kindheit verbrachte und seit der Übersiedlung der Eltern bis zum eigenen Tod die Adresse ihres 1964 verstorbenen Vaters in Mishima, wo sie selbst, ebenso wie in der Präfektur Gumma, nie wohnte. Auf die Frage, warum sie nicht ein individuelles „koseki“ – ein sogenanntes „bunseki“, also ein Teilregister72 - angelegt habe, antwortete sie: „Das ist eine Frage des Willens.“ Das Interview um dieses eine Thema zieht sich über fast eine halbe Stunde hin, denn ihre und meine Sichtweise des „Hauptwohnsitzes“ sind völlig verschieden. Ja, das Individuum werde als Teil der Familie gesehen, nicht als einzelner Mensch, gibt sie mir recht. Ich bin überrascht, dass sie kein eigenes koseki anlegen wollte, wo sie der Familie gegenüber ihr ganzes Leben sehr stark ihre Selbständigkeit betonte, und bohre weiter nach. Schließlich meint sie: „Vielleicht hänge ich an meinem honseki. Es ist nicht die Frage, ob ich es wichtig nehme, aber meine Umgebung nimmt es wichtig. Menschen, die an der alten Sitte hängen, ändern das nicht.“73 Ich interpretiere für mich, dass Yasuko aus Rücksicht auf die Eltern und später aus Pietät gegenüber den verstorbenen Eltern im Familienstandesregister verblieben ist. Als einzige – denn ihr Bruder eröffnete für seine Familie ein neues „koseki“, und ihre Schwestern traten mit der Heirat in das Familienregister der Ehemänner ein.


Die Erziehungsreform

Imai Yasuko erzählt: „Nach dem Krieg kam der Befehl, dass wir `löschen´ sollten (keshinasai to iu meirei ga kitan de). Unser Klassenvorstand hat gesagt, dass der staatliche Befehl gekommen sei, in den Lehrbüchern diverse Stellen zu löschen. Man durfte das, was im Lehrbuch stand, nicht (mehr) herzeigen. Daher mussten wir in den Lehrbüchern die Stellen, in denen der Krieg vergleichsweise begeistert vorkam, mit Tusche gänzlich übermalen. Das war ein Befehl des Unterrichtsministeriums.“ 74 Das ist eine der wenigen Erinnerungen, die Imai Yasuko mit dem Kriegsende verbindet.

Für Yasuko persönlich kam die große Veränderung erst mit der Koedukation ab dem Schuljahr 1950/51. Aber bereits von 1945 bis 1947 rangen SCAP und die japanischen verantwortlichen Stellen um eine Reform im Erziehungswesen, die u.a. zum Ziel hatte, Mädchen dieselben Chancen zu geben wie Buben. Von 1947 bis in die fünfziger Jahre – ja, bis in die neunziger Jahre – reichte die Phase der Umsetzung, die zuweilen auch ein Kampf um die Umsetzung war. Besonders diskutierte bis umstrittene Themen waren die Koedukation, die Gründung von Frauenuniversitäten und Colleges und die Gründung von Fakultäten für Haushaltswissenschaft (kateika) an den Universitäten und Colleges. Ab den späten siebziger Jahren wurde auch das Thema Haushaltsunterricht für Mädchen und Buben erregt diskutiert.

Der Artikel 26 der neuen Verfassung, die am 3.11.1946 beschlossen wurde, lautet: „Alle Bürger haben das Recht, eine ihren Fähigkeiten entsprechende gleiche Erziehung zu erhalten, wie vom Gesetz vorgesehen. Alle Bürger sind verpflichtet, den ihrer Obhut unterstehenden Jungen und Mädchen die vom Gesetz vorgesehene allgemeine Erziehung angedeihen zu lassen. Die allgemeine Schulpflicht ist kostenfrei.“ 75 Im März 1947 folgten dann das Schulerziehungsgesetz und das Erziehungsgrundgesetz, das sich auf die neue Verfassung bezog.

Das Schulerziehungsgesetz (gakkô-kyôiku-hô) legte das neue Schulsystem mit sechs Jahren Grundschule (shôgakkô), drei Jahren Mittelschule (chûgakkô) und drei Jahren Oberschule (kôtôgakkô) fest. Es umfasste auch das Universitätsstudium, das mit Ausnahme des Medizinstudiums, das länger war, grundsätzlich vier Jahre dauern sollte. Und es schloss auch Regelungen für die Kindergärten und Schulen für behinderte Kinder mit ein. Das öffentliche Pflichtschulwesen und die Schulen für Behinderte sollten beitragsfrei sein. Körperliche Strafen wurden verboten.

In den Volkschulen sollte unter vielem anderen „der Geist der Selbständigkeit und Unabhängigkeit“ (jishu oyobi jiritsu no seishin) kultiviert und in den Mittelschulen die Haltung des Respekts für Arbeit und die Fähigkeit, den zukünftigen Lebensweg entsprechend der eigenen Individualität zu wählen (kosei ni ôjite) gefördert werden. Die Erziehung in den Oberschulen sollte die Schülerinnen und Schüler dazu veranlassen, ihre Zukunft entsprechend ihrer Individualität (kosei ni ôjite) auf der Basis des Bewußtseins für ihre Aufgabe in der Gesellschaft zu entscheiden und sich um die Begründung ihrer Individualität zu bemühen (kosei no kakuritsu).76 Man kann annehmen, dass die Worte „jishu“, „jiritsu“ und „kosei“ den „neuen“ Geist der ersten Nachkriegsjahre widerspiegeln.

Inhaltlich weitaus relevanter als das Schulerziehungsgesetz war das ebenfalls im März 1947 beschlossene Erziehungsgrundgesetz (kyôikukihon-hô). Dabei handelt es sich um einen Wechsel um 180 Grad gegenüber dem Kaiserlichen Erziehungsedikt von 1890.77 Das Gesetz bezog sich bereits im ersten Satz auf die neue Verfassung. „Mit der Einrichtung der Japanischen Verfassung haben wir unseren Entschluss gezeigt, zum Frieden der Welt und dem Wohlergehen der Menschheit beizutragen, indem wir einen demokratischen und kulturellen Staat bilden. Die Verwirklichung dieser Idee wird grundlegend von der Kraft der Erziehung abhängen.“

Das Erziehungsgrundgesetz von 1947 ist kurz gefasst und hat nur elf Artikel. Der Artikel 1 verweist auf das Ziel der Erziehung. Von „voller Entwicklung der Persönlichkeit“ (jinkaku no kansei) und „unabhängigem Geist“ (jishuteki seishin) ist die Rede. Im Artikel 8 über politische Erziehung heißt es, dass politische Kenntnisse notwendig sind und in der Erziehung wertgeschätzt werden, aber dass keine politische Erziehung oder andere politische Aktivitäten für oder gegen eine politische Partei erlaubt sind. Und im Artikel 9 geht es um die religiöse Erziehung. In der Erziehung soll die Haltung religiöser Toleranz und die Position der Religion im sozialen Leben geschätzt werden, aber in öffentlichen Schulen soll man religiöse Erziehung oder Aktivitäten für eine spezielle Religion unterlassen. Diese Artikel sind natürlich eine Antwort auf die durchideologisierte Schulerziehung der Kriegsjahre, die besonders im Fach „shûshin“ (Ethik oder Moral) und in der Verquickung mit dem Shintôismus ihren Ausdruck gefunden hatte.

Wichtig für die Gleichberechtigung der Mädchen in der Erziehung sind die Artikel 3, 4 und 5. Der Artikel 3 hat die „Chancengleichheit in der Erziehung“ zum Inhalt und formuliert, dass die ganze Bevölkerung gleiche Chancen auf Erziehung entsprechend ihren Fähigkeit haben soll und keine Person wegen ihrer Rasse, ihrem Glaubensbekenntnis, ihrem Geschlecht, ihrem sozialen Status, ihrer ökonomischen Position oder ihrer familiären Herkunft wegen diskriminiert werden darf. Artikel 4 sagt, dass die Bevölkerung verpflichtet ist, Buben und Mädchen in ihrem Schutz neun Jahre allgemeine Erziehung angedeihen zu lassen. Das umfasst die Grund- und die Mittelschule. Der Artikel 5 schließlich geht auf das Verhältnis der Geschlechter ein: „Männer und Frauen sollen einander schätzen und zusammenarbeiten. Daher soll die Koedukation in der Erziehung anerkannt werden“. Im japanischen Originaltext heißt der Artikel: „Danjo ha tagai ni keijû shi, kyôryoku shi awanakereba naranai mono de atte, kyôikujô no kyôgaku ha, mitomerarenakereba naranai“. Das Wort „mitomeru“ kann man mit „genehmigen“, „billigen“, „anerkennen“ übersetzen. Die Bestimmung bedeutet eigentlich nur, dass Koedukation erlaubt ist, aber nicht sein muss – eine relativ schwache Formulierung. 78, 79

Wie kam es nun zu diesen grundlegenden und für Frauen so besonders bedeutsamen Änderungen im japanischen Erziehungssystem? Trägt das Nachkriegserziehungssystem nur die Handschrift der USA?

Zu Kriegsende lag das japanische Erziehungssystem am Boden. 18 Millionen Studenten konnten nicht studieren, 4000 Schulen waren zerstört.80 Militärangehörige besetzten verantwortliche Positionen im Erziehungssystem. Schulbücher waren durchsetzt von militärischer Propaganda. Die Lehrer waren versprengt, das Erziehungsministerium ein Werkzeug der Militaristen. Liberale Erzieher versteckten sich vor der Gedankenpolizei. So beschrieb, wahrscheinlich im November 1946, ein Angehöriger der General Headquarters (GHQ) der amerikanischen Besatzung die Situation.

Aber auch in diesem Bericht ist zu lesen, dass bereits zwischen der japanischen Kapitulation Mitte August und der Einrichtung des General Headquarters (GHQ) in Tokyo im September die japanische Seite selbst freiwillig viele Reformen einleitete. Sie führte nach diesem Bericht eine Bestandaufnahme der Schulen durch, initiierte eine Zensur der offiziellen Lehrbücher, reorganisierte das Erziehungsministerium, öffnete Schulen wieder und setzte Gesetze außer Kraft, die eine Basis für militaristische und ultranationalistische Indoktrinierung in den Schulen gewesen waren. 81

Seit April 1945 hatte fast kein Unterricht mehr stattgefunden, weil beinahe alle Befreiungen vom Kriegsdienst aufgehoben und beinahe alle Schulen, sowohl Lehrende wie Lernende, ausschließlich in den Dienst des Krieges gestellt worden waren. Bereits am 16. August aber wurde die Mobilisierung von Studierenden eingestellt, und am 23. August folgte die Abschaffung des militärischen Drills in den Schulen. Der Erziehungsminister trat zurück und ein Karrierebürokrat mit Auslandserfahrung und Verbindung zu den Kreisen der japanischen Erziehungsreformbewegung in den dreißiger Jahren übernahm das Amt. In den Folgemonaten wurden evakuierte Schülerinnen und Schüler sowie Studenten von der Front nach Japan zurückgeholt.82

In den USA waren Planungen für eine Reform des japanischen Erziehungswesens schon ab zirka 1942 angelaufen, denn „nach Einschätzung der USA (war) die Wiederholung eines japanischen Angriffskrieges nur nach einer Umerziehung der japanischen Bevölkerung zu vermeiden“.83

Zwischen Oktober und Dezember 1945 erließ die CIE (Civil Information and Education Section), eine Unterabteilung der Besatzungsbehörde, „die vier großen Erziehungsdirektiven“. Sie regelten das Verhältnis zwischen Kultusministerium und Besatzungsbürokratie, die „Säuberung“ des Erziehungspersonals von „unerwünschten Elementen“, das Verbot des Staats-Shintô und die Suspension des Unterrichts in den Fächern Moral, japanische Geschichte und Geographie.84 Das Schwärzen von Textstellen in Schulbüchern fiel in diese erste Phase.85

Im März 1946 besuchten 27 Bildungsexperten und Expertinnen der United States Education Mission Japan und studierten das japanische Bildungssystem. Von japanischer Seite wurde ein Komitee mit Bildungsexperten gebildet, das die Amerikaner unterstützen sollte. Aus diesem Komitee wurde in weiterer Folge der mächtige Zentralrat für Erziehung (Chûô kyôiku bangikai) des Unterrichtsministeriums. Nach ihrer Studienreise forderten die US-Experten die Demokratisierung und Dezentralisierung des japanischen Schulwesens und andere Reformen „entlang des amerikanischen Vorbilds“, wie die Einteilung der Schulen im 6-3-3-4-Jahres-System und Koedukation. Von Anfang an war für die US-Besatzung ein wichtiges Ziel der gleiche Zugang von Frauen zum Bildungssystem auf allen Ebenen, dem primären, sekundären und auch tertiären.86


Die Frage der Koedukation

Bisher war in Japan Frauen der Zugang zu Universitäten, bis auf ganz wenige Ausnahmeregelungen, verwehrt geblieben. Auch das sekundäre Bildungssystem unterschied sich zwischen Buben und Mädchen. Imai Yasuko besuchte nach der sechsjährigen Grundschule, die die Pflichtschulerziehung umfasste, und die in den ersten vier Jahren koedukativ war, die Höhere Mädchenschule (kôtô jôgakkô). Nach dem alten Schulsystem stand ihr danach der Besuch einer Frauenfachschule (Joshi semmon gakkô) offen, soferne es eine solche Einrichtung in Hokkaidô überhaupt gab. Ihre männlichen Schulkameraden gingen weiter in die Mittelschule, die drei Jahre dauerte und konnten anschließend auf eine Oberschule wechseln, die sie auf die Universität vorbereitete. In Hokkaidô war das die Kaiserliche Hokkaidô-Universität in Sapporo, die aus der Sapporo nôgakkô hervorgegangen war, deren erster Direktor Imai Yasukos Urgroßvater war. Dieser Bildungsweg, sowohl der Besuch der Oberschule, wie jener der Universität, wäre ihr und anderen Mädchen nach dem alten Schulsystem verwehrt geblieben. Daher war es wichtig, sowohl den tertiären wie auch den sekundären Bildungsstrang zu vereinheitlichen und die Oberschulen völlig für Mädchen zu öffnen. Dies war ein zentrales Anliegen des CIE. Nicht ganz so klar ist die Haltung der amerikanischen Besatzung zur Koedukation.

Der Zugang von Frauen zu allen Bildungsinstitutionen bedeutete nämlich nicht, dass monoedukative oder geschlechtsspefizische Ausbildung völlig ausgemerzt wurde. Hans Martin Krämer hat mit dem Titel „Neubeginn unter US-amerikanischer Besatzung. Hochschulreform in Japan zwischen Kontinuität und Diskontinuität 1919-1952“ eine interessante Studie vorgelegt. Er betont, dass sich schon früh alle Beteiligten, also die amerikanische wie auch die japanische Seite, einig waren, dass grundsätzlich völlige Gleichstellung der Geschlechter das ganze Schulsystem hindurch herrschen solle. „Nicht restlos geklärt war hingegen auch nach der Verabschiedung des Schulerziehungsgesetzes 1947 der Status von Einrichtungen der Sekundarstufe und Tertiärstufe nur für Frauen. Hier gab es im privaten Sektor eine lange Tradition der Monoedukation, so dass damit zu rechnen war, dass sich Fürsprecherinnen und Fürsprecher einer Fortführung dieser Tradition finden würden. Im staatlichen Bereich war die Situation weniger klar, hatten doch außerhalb der beiden Höheren Pädagogischen Hochschulen für Frauen in Tokyo und Nara keine staatlichen Einrichtungen nur für Frauen existiert.“87

Die japanische Seite, verkörpert durch das japanische Erziehungsministerium, schien unmittelbar zu Kriegsende noch keine eindeutige Position zur Stellung der Frauen in der Gesellschaft bzw. zur zukünftigen Mädchenbildung zu haben. Im Herbst 1945 forderte man in einem Erlass die Förderung weiblicher Tugenden und Anleitungen für Mädchen, um das tägliche Leben wissenschaftlicher durchzuführen.88 Im Dezember 1945 verabschiedete die japanische Regierung aber einen „Umriss zur Erneuerung der Erziehung von Mädchen“, der die Chancengleichheit in der Erziehung und die Angleichung der Erziehungsinhalte von Mädchen und Buben sowie die Öffnung der Einrichtungen höherer Bildung für Frauen beinhaltete. Die bestehenden Universitäten sollten in koedukative umgewandelt werden, aber auch reine Frauenuniversitäten sollten gegründet werden. Eine koedukative Oberschule erwog man noch nicht, sondern man wollte das Niveau von Frauenschulen der Sekundarstufe so verbessern, dass den Absolventinnen Hochschulreife zugestanden werden könne.89

Im September 1946 sprach ein Planungsdokument des Unterrichtsministeriums davon, dass Oberschulen für Frauen eingerichtet und in den bestehenden „ein paar Klassen zur Koedukation geöffnet werden“ sollten. Bis Ende 1946 hatte sich das japanische Komitee zur Erziehungsreform schließlich zur Einrichtung einer neuen dreijährigen koedukativen Oberschule durchgerungen, aber es sollten auch nicht koedukative Formen weiter bestehen.90 Mädchen nahmen das Angebot zum Besuch der Oberschule in den Nachkriegsjahrzehnten in steigendem Ausmaß wahr. 2009 waren es 96,5% der Mädchen und 96,2 % der Burschen91, die die Oberschule besuchten. Daher gibt es heute Überlegungen, die Pflichtschule von neun auf zwölf Jahre zu verlängern.

Ob alle Universitäten koedukativ oder ob es auch Universitäten nur für Frauen oder nur für Männer geben könnte, das blieb im Erziehungsgrundgesetz von 1947 offen.92 Nach Krämer hat die CIE, also die amerikanische Besatzung, nicht koedukative reine Frauenhochschulen gezielt gefördert. Besonders stark machten sich dafür die Inhaberinnen des Postens Advisor on Women´s Education, der ab 1946 innerhalb der CIE eingerichtet wurde. Diese Amerikanerinnen setzten sich vor allem dafür ein, dass bereits bestehende höhere Fachschulen für Frauen, die Mädchen auch vor dem Krieg schon nach der Höheren Mädchenschule offen gestanden waren – wie zum Beispiel die Tsuda-juku von Tsuda Umeko93 - als Universitäten anerkannt würden.94 Dazu muss man sagen, dass Frauen-Universitäten oder Women´s colleges in den USA eine lange Tradition haben und nicht so exotisch anmuten wie in Österreich oder Deutschland, wo im tertiären Sektor koedukative Bildungseinrichtungen das Normale sind.

Die Vertreterinnen von japanischen Frauen-Hochschulen, wie zum Beispiel der Höheren pädagogischen Hochschule für Frauen in Tokyo, hatten bereits in den dreißiger Jahren staatliche Frauenuniversitäten gefordert. Ende 1945 wurde diese Forderung wiederholt, wobei sich diese Vertreterinnen von Frauenhochschulen gleichzeitig skeptisch gegenüber der geplanten grundsätzlichen Öffnung aller Universitäten für Frauen äußerten. Gegen die Koedukation hatten sie Bedenken. „Aber unser Land hat, abgesehen von der Primarstufe, nur in einem ganz schmalen Bereich der höheren Bildung Erfahrung mit der Koedukation, weshalb wir angesichts der familiären und gesellschaftlichen Gewohnheiten glauben, dass es noch zu früh ist, plötzlich Koedukation zum Grundprinzip zu erklären.“95

Sie forderten außerdem für die neuen Frauenuniversitäten neben Fakultäten für Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft auch eine Fakultät für Haushaltswissenschaft. „Hier wirkte die Erbschaft der Vorkriegs- und Kriegszeit weiter, in der sich gerade die Vertreterinnen und Vertreter einer Stärkung von Frauen im Hochschulbereich für eine Förderung in separater Form eingesetzt hatten. Bei der Begründung spielte die ‚wesenhafte Verschiedenheit´ von Frauen sowohl vor als auch nach 1945 eine entscheidende Rolle“, schreibt Krämer.96 (In der neuen Verfassung war aber ein Bekenntnis zur „wesensmässigen Gleichheit“ verankert, siehe Artikel 24). Die Vertreterinnen von Frauenuniversitäten betrieben also die Aufnahme von Haushaltswissenschaften in den zur Akkreditierung von Universitäten 1947 verabschiedeten Standard. Tatsächlich wurde die Haushaltswissenschaft darin in folgender Formulierung untergebracht: „An Fakultäten, die hauptsächlich aus Frauen bestehen, kann jedoch auch Haushaltswissenschaft zu den Fächern des Studiums generale hinzugefügt werden“.97

Von dieser Möglichkeit wurde Gebrauch gemacht. „In Verbund mit der aktiven Hilfe durch CIE wurde so Haushaltswissenschaft als eigenständig eine Fakultät bildender Fächerkomplex anerkannt; in der Folge entstand ein eigener Hochschulsektor mit Universitäten nur für Frauen“, so Krämer.98 Jedenfalls wurden bis 1949 168 neue Universitäten gegründet, davon waren 23 reine Frauenuniversitäten, 18 davon private Frauenuniversitäten, die aus ehemaligen Höheren Fachschulen für Frauen hervorgingen. Renommiert sind die zwei staatlichen Frauenuniversitäten Ochanomizu Joshi Daigaku und Nara Joshi Daigaku, deren Vorläuferinnen die beiden Höheren Pädagogischen Hochschulen für Frauen waren.99

Ende 1947 tauchte dann der Wunsch auf, für Frauen neben den Vier-Jahresuniversitäten auch Kurzzeit-Universitäten, japanisch „tanki-daigaku“, zuzulassen. Er kam von Vertreterinnen der Höheren Frauenfachschulen. Rektorin Kawai Michi von der Höheren Fachschule Keisen argumentierte zum Beispiel: „Es ist selbstverständlich, dass auch Frauen zur Universität wollen… Doch von der akademischen Stärke und der Studierfähigkeit her sind sie noch nicht so weit wie Männer…. Deshalb wünsche ich mir so etwas wie junior colleges.“100

Zweijährige Kurzuniversitäten gab es dann tatsächlich ab 1950. Für einige Jahrzehnte wurden sie beliebte Ausbildungsstätten, vorwiegend für Mädchen, die an baldige Heirat dachten. Imai Yasuko unterrichtete fast drei Jahrzehnte an der Kurzuniversität für Mädchen der Präfektur Shizuoka japanische Literatur, einige Jahre auch Frauenwissenschaften (joseigaku). Die Kurzuniversität für Mädchen der Präfektur Shizuoka verwandelte sich 1997 zur Kurzuniversität der Universität Shizuoka und wurde auch Burschen geöffnet. Im Jahr 2000 übernahm die neue vierjährige koedukative Universität für Kunst und Kultur von Shizuoka (Shizuoka bunka geijutsu daigaku) den kulturellen Zweig der Kurzuniversität, die 2001 in Hamamatsu völlig geschlossen wurde. In der Stadt Shizuoka wird im Rahmen der Kurzuniversität nur mehr die berufsbezogene Ausbildung wie zur Kranken- und Altenpflege etc. durchgeführt. Diese Entwicklung entspricht dem gesamtjapanischen Trend, da immer mehr junge Frauen nach der Oberschule in die Berufwelt streben, in welcher der Abschluss einer vierjährigen Universität bessere Chancen bietet. 101

Imai Yasuko erlebte also ihre spätere Kindheit und frühe Jugend einerseits in einer Aufbruchsphase für die Frauen. Demokratisierung, Gleichberechtigung und Chancengleichheit der Geschlechter lag in der Luft und wurde in Gesetzestexte gegossen. Aber grundlegender Tenor der damals herrschenden Gleichberechtigungspolitik war nach wie vor „ die wesenhafte Verschiedenheit“ von Mann und Frau. Damit einhergehend erwartete sich der Großteil der Frauen eine andere Lebensgestaltung als die der Männer, und von der Gesellschaft wurden ihnen noch immer in erster Linie die Rolle als Ehefrau und Mutter und der Haushalt als ihr grundeigenster Bereich zugeordnet.


Der „Umkehrkurs“

Gefordert und gefördert von der amerikanischen Besatzung wurde noch 1945 ein Gesetz erlassen, das die Bildung von Gewerkschaften ermöglichte. Die japanische Linke gehörte in den ersten Nachkriegsjahren zu jenen, die in den Amerikanern ihre „Befreier“ sahen. Das beiderseitige wohlwollende Verhältnis änderte sich aber bald. Die japanische Arbeiterschaft begann sich in Symbiose mit den linken Parteien in einem unerwarteten Tempo zu organisieren. Während es zu Kriegsende so gut wie keine Gewerkschaften gab, hatten sich schon im November 1945 75 Gewerkschaften mit 68 530 Mitgliedern gebildet – wozu gesagt, werden muss, dass die gängige Organisationsform in Japan Betriebsgewerkschaften sind. Ein Jahr später gab es fast 5 Millionen Gewerkschaftsmitglieder in Japan, 1949 waren mehr als die Hälfte aller japanischen Arbeitnehmer organisiert. Und Frauen stellten einen beträchtlichen Anteil. Während vor dem Krieg weniger als ein Prozent der Frauen Gewerkschaftsmitglieder waren, waren es 1948 45,7 Prozent102 und 1949 51 %. Die gewerkschaftliche Organisierung der Frauen erreichte damit einen Höhepunkt.103

Die durch die Kriegsfolgen zum Teil in bitterer Armut und Hunger lebende japanische Bevölkerung machte in Streiks, Betriebsbesetzungen, Demonstrationen und anderen Protestaktionen ihrer Unzufriedenheit Luft. Vor allem richteten sich die Aktionen gegen die Misswirtschaft und Korruption in der japanischen Regierung104, die ihrer Meinung nach Schuld an der miserablen Lage vieler Menschen waren. Die Löhne hielten mit der Inflation und den Schwarzmarktpreisen nicht Schritt, und auch Preiskontrollen hatten nicht den gewünschten Effekt.105 Für den 1. Februar 1947 planten daher 2,6 Millionen Gewerkschaftsmitglieder, auch die Lehrerschaft und andere Bereiche des öffentlichen Dienstes, einen Generalstreik, der Japans Wirtschaftsleben lahm legen würde.106

Sowohl der japanischen Regierung unter Premierminister Yoshida wie auch der amerikanischen Besatzung unter General Mac Arthur wurde die Gewerkschaftsbewegung schon eine geraume Weile zu radikal und zu sehr von den Kommunisten beeinflusst. Am Vorabend des Streiks zwang Mac Arthur den Führer des Streikkomitees deshalb, in einer Radioansprache selbst den Streik abzusagen.107 Das führte zum Unmut breiter Bevölkerungsschichten108, und bei den nächsten Wahlen, die schon im April 1947 stattfanden, gewannen die Sozialisten die Mehrheit der Mandate. Sie bildeten mit den Demokraten die einzige nicht konservative Regierung der Nachkriegszeit. Diese blieb aber nur ungefähr zehn Monate an der Macht. Bei der Wahl im Frühjahr 1947 verloren übrigens zahlreiche weibliche Angeordnete ihr Mandat wieder, und übrig blieben nur 15 Frauen, vorher waren es 39. Teilweise hing dieser Absturz mit Veränderungen im Wahlsystem zusammen.109

Das Streikverbot am 1. Februar 1947 war ein deutliches Signal, dass der sogenannte „Umkehrskurs“ der amerikanischen Besatzung eingesetzt hatte. Bald nach Kriegsende begann der Kalte Krieg zwischen den USA und der UDSSR: Ein Kampf ohne militärische Auseinandersetzung der Hauptgegner zwischen Kapitalismus und Kommunismus, Marktwirtschaft gegen Planwirtschaft und aus westlicher Sicht von Demokratie gegen Diktatur. Gekennzeichnet war er von atomarem Westrüsten und Stellvertreterkriegen.110 Diese Situation verschärfte sich mit dem Sieg der chinesischen Revolution 1949 und dem Koreakrieg 1950 bis 1953, dem ersten der „Stellvertreterkriege“. In diesem nahm Japan bereits die Rolle eines treuen Verbündeten der USA ein, ihm verdankte Japan einen wirtschaftlichen Aufschwung und die Beendigung seiner wirtschaftlichen Nöte.

Mit dem Kalten Krieg kam es ab 1947 zu einer konservativen Kehrtwendung in der amerikanischen Besatzungsmacht, die quasi mit dem Streikverbot vom 1. Februar 1947 ihren Auftakt hatte. In den folgenden Jahren bis zum Friedensvertrag 1952 konzentrierte man sich auf die Wiedererstarkung der japanischen Wirtschaftmacht und den Aufbau Japans als „Bollwerk gegen den Kommunismus“ 111, wozu auch die Remilitarisierung und die Eingrenzung – das sogenannte „containment“ - bzw. die Unterdrückung der linken Bewegungen in Japan gehörte.112 Die amerikanische Besatzung – ursprünglich als Retter von Militarismus und Faschismus begrüßt113 - wurde nun gemeinsam mit der konservativen Regierung zum Feindbild der linken Bewegungen in Japan.

Das beeinflusste auch Imai Yasukos Leben. Die aufregendste Phase ihrer Jugend war ja jene der Studentenbewegung, die sich vor allem gegen den amerikanisch japanischen Sicherheitsvertrag richtete, der gleichzeitig mit dem Friedensvertrag zwischen Japan und den USA beschlossen wurde. Die Gegnerschaften der Studentenbewegung entstanden in diesen späteren Jahren der Okkupation.

Jetzt, ab 1948, entschloss sich die USA endlich, den Japanern auch mit ökonomischer Hilfe unter die Arme zu greifen. Denn der wirtschaftliche Aufschwung Japans, das nun als Verbündeter gegen den Kommunismus aufgebaut werden sollte, wurde ein wichtiges Ziel. Die Not der japanischen Bevölkerung war in der ersten Zeit von der Besatzung ignoriert worden war. Jetzt erhielt Japan eine Unterstützung von mehreren Milliarden Dollar aus Amerika, was zur wirtschaftlichen Erholung und Eindämmung der Unzufriedenheit führen sollte. Weiters gehörten zum Programm des Umkehrkurses Inflationsbekämpfung, Stärkung der Großindustrie und eine Schwächung der Gewerkschaften. 114 Das äußerte sich unter anderem darin, dass im Juli 1948 öffentliche Bedienstete, die die aktivste Fraktion in den Arbeitskämpfen gestellt hatten, das Streikrecht und das Recht zu gemeinsamen Gehaltsverhandlungen (bargain collecitively) aberkannt wurde.115 1949 wurden im Zuge von Wirtschaftsreformen 285 000 öffentliche Bedienstete entlassen.

SCAP verordnete außerdem eine „rote Säuberung“. Im Gegensatz zu den politischen Säuberungen der ersten Nachkriegszeit, die wichtige Personen des Kriegssystems betroffen hatten, wurden nun gezielt mehr als 12 000 Mitarbeiter von Verwaltung, Unternehmen, Medien, Schul- und Hochschulsektor gefeuert, die im Verdacht standen, Kommunisten zu sein.116 Die Begründung war dieselbe wie bei der ersten Säuberungswelle: „Ihre politischen Aktivitäten bedrohten die Ziele der Besatzung.“ Gleichzeitig damit wurden etliche der Kriegskollaborateure rehabilitiert und kehrten schnell in wichtige Positionen der japanischen Politik zurück.117 Am bekanntesten ist wahrscheinlich Kishi Nobusuke, während des Krieges Minister, bis 1948 als Kriegsverbrecher inhaftiert und bald darauf Vorsitzender der Liberaldemokratischen Partei, von 1957 bis 1960 sogar Premierminister.118

So bedeutete der „Umkehrkurs“ nicht kleinere Veränderungen in der Okkupationspolitik, sondern wendete sich gegen die Grundprinzipien der von der amerikanischen Besatzung selbst eingeleiteten Demilitarisierung und Demokratisierung. Die politische Säuberung, die sich anfangs gegen Militaristen und Ultranationalisten gerichtet hatte, die für den Aggressionskrieg verantwortlich gewesen waren, zielte nun auf jene, die während des Krieges wegen ihrer Antikriegshaltung eingesperrt gewesen waren. Und dieser „red purge“ ging Hand in Hand mit der Rehabilitierung der kriegsverantwortlichen Militaristen und Ultranationalisten. So entstand der Eindruck, dass die Besatzungsmächte das Interesse an der Demokratisierung und Demilitarisierung verloren hatten und dem Kalten Krieg den Vorrang gaben.119

Die USA, die nun anderweitig militärisch engagiert war, bemühte sich um einen baldigen Friedensvertrag mit Japan. Im April 1952, nach sieben Jahren Besatzung, war es mit dem Friedensvertrag von San Francisco so weit. Der Friedensvertrag betraf jedoch nicht alle Kriegsgegner. Im September 1951 unterzeichneten den Friedensvertrag 48 Staaten. Aber wegen der noch immer ungeklärten Frage, wem die Kurilen-Inseln im Norden von Hokkaidô gehören, besteht etwa mit Russland bis heute kein Friedensvertrag.120 Mit China wurde 1978 ein Friedens- und Freundschaftsvertrag abgeschlossen.

Japan verzichtete mit dem Friedensvertrag auf alle nach 1895 erworbenen Gebiete und verpflichtete sich zu Reparationszahlungen. Auch musste Japan gleichzeitig mit dem Friedensvertrag ein Bündnis mit den USA eingehen, das mit einem „Sicherheitsvertrag“ besiegelt wurde. Beide Häuser des Parlaments billigten mit knapper Mehrheit beide Verträge, und auch die Mehrheit der Bevölkerung billigte ihn, aber die Oppositionsparteien und Gewerkschaften lehnten die Allianz zwischen Japan und den USA vehement ab.121 Die Verlängerung des Sicherheitsvertrages 1960 und 1970 führte jeweils zur Politisierung breiter Bevölkerungsschichten und zu schweren Unruhen, an denen Ende der fünfziger Jahre auch Imai Yasuko teilnahm.

Die Kritik entzündete sich an den Bestimmungen des Sicherheitsvertrages, die als Übergriff auf Japans Souveränität angesehen wurden. Er erlaubte der USA zeitlich unbegrenzt Truppen in Japan zu stationieren. Die USA hatten das Recht, von ihren japanischen Stützpunkten aus ohne Erlaubnis oder auch nur Beratung mit der japanischen Seite ihre Truppen überall einzusetzen. Damit sahen die Gegner des Sicherheitsvertrages die Gefahr, dass Japan in militärische Konflikte der USA hineingezogen würde, selbst wenn sie mit japanischen Interessen nicht vereinbar wären. Außerdem hatte Premierminister Yoshida zwei anderen erniedrigenden Klauseln zugestimmt. Amerikanische Soldaten hatten das Recht, bei schweren Unruhen in Japan einzugreifen, wenn sie von der japanischen Regierung darum ersucht werden sollten, wodurch sich die linken Kräfte besonders bedroht fühlten. Außerdem verbot der Vertrag Japan, ohne vorherige Zustimmung der USA einem dritten Land die Stationierung in Japan oder andere militärische Privilegien zu erlauben.122 Japan musste sich auch einverstanden erklären, dass die Ogasawara-, die Ryûkyû- und die Amami-Inseln unter amerikanische Verwaltung kamen.123


Frauenpolitik und Kalter Krieg

„Eines der radikalsten Experimente der Welt mit Frauenrechten“ nennt eine amerikanische Sozialwissenschaftlerin 1987 die amerikanische Okkupationspolitik.124 Aus heutiger Sicht war jedoch die „feministische“ Ideologie, die einige engagierte Amerikanerinnen im Rahmen der Besatzungsmacht in Japan verbreiteten, keineswegs radikal, vor allem, was die Rollenzuweisung für Frauen betraf. Im Vordergrund stand für sie nach wie vor die Aufgabe der Frauen als Ehegattin und Mutter. Anders als früher war, dass auch verheiratete Frauen daneben noch andere Rollen einnehmen konnten oder sogar sollten, Rollen, wie bewusste Staatsbürgerin, Arbeitnehmerin und Teilnehmerin an Gruppen, die sich für staatsbürgerliche oder soziale Ziele einsetzen. Um das zu ermöglichen forderte man Kindertagesstätten und Erleichterungen im Haushalt.125

Diese Ideen vom Frausein schwebten sowohl den amerikanischen Besatzerinnen wie auch ihren japanischen Partnerinnen – als prominenteste gilt Katô Shidzue – vor. Einerseits stimmt die Sichtweise, dass Frauen damit zwar keinesfalls die traditionellen Rollenzuweisungen hinter sich ließen, anderseits trifft es aber auch zu, dass die Reformen für Frauen, die in der ersten Nachkriegszeit beschlossen wurden, im Vergleich zu der Zeit vorher einen Riesenfortschritt brachten.  Heute, Jahrzehnte später, gibt es jedenfalls zum Teil heftige Kritik an dem „cold war feminism“ der Nachkriegszeit. 126 Auch Katô Shidzue steht im Focus dieser Kritik.

Katô Shidzue, geboren 1897 in eine vormalige Samurai-Familie wurde über 100 Jahre alt und starb 2001. Sie besuchte die vornehme Joshi Gakushûin, eine Frauenbildungsstätte für Adelige, und heiratete 1914 mit siebzehn Jahren in einer arrangierten Heirat Baron Ishimoto. Er war der älteste Sohn, und Shidzue erlebte den Druck des ie-Systems am eigenen Leib. In Kyushu, wo ihr Mann in den Kohlenminen von Miike arbeitete, begegnete sie der Armut und Ausbeutung der Arbeiterinnen, die zwölf Stunden am Tag arbeiten mussten. Neben den harten Arbeitsbedingungen litten diese Frauen auch unter ungewollten Schwangerschaften. Das Los der Arbeiterinnen beeindruckte Shidzue tief. Als sie ihren Mann nach Amerika begleitete, traf sie dort Margaret Sanger, eine amerikanische Frauenrechtlerin, die sich besonders für das Recht der Frauen auf Geburtenkontrolle einsetzte. 127

Die Beobachtungen in den Kohlenminen und diese Begegnung machten Shidzue zu einer Verfechterin der Familienplanung und Geburtenkontrolle und des Rechts von Frauen, über ihren eigenen Körper zu bestimmen. Gemeinsam mit anderen gründete sie 1931 eine erste Organisation zur Geburtenkontrolle und 1934 eine Beratungsklinik für Geburtenkontrolle. Während ihr Mann sich für die Unterstützung des nationalistischen Systems entschied und in die Mandschurei ging, blieb Shidzue in Japan und agierte auf einem Sektor, der in Widerspruch zur Politik der Regierung stand, deren Slogan ja „umeyô, fuyaseyô“ war – „Gebären wir, vermehren wir uns!“. 1937 wurde sie deswegen auch kurzfristig verhaftet und eingesperrt. 1938 wurde ihre Klinik geschlossen. 1944 konnte sie sich nach Überwindung vieler Hindernisse scheiden lassen und heiratete Katô Kanjû, einen kommunistischen Politiker. Mit ihm teilte sie die Gegnerschaft gegen das Kriegsregime. Während ihre zwei Söhne aus erster Ehe früh starben, bekam sie im Alter von 48 Jahren mit Katô Kanjû eine Tochter. Nach dem Krieg gehörte Katô zu den ersten Frauen, die ins Parlament einzogen. Bis 1974 war sie politisch für die Sozialistische Partei Japans und für das Anliegen der Familienplanung tätig.128

Katô Shidzue gehörte zu den Frauen, die eng mit der amerikanischen Besatzungsmacht zusammenarbeiteten. Vor allem war es Ethel B. Weed, die sich auf amerikanischer Seite engagierte. Sie kam im Oktober 1945 als Women´s Information Officer nach Japan und sammelte sofort japanische Frauen um sich, die sich bisher für das Frauenwahlrecht und andere Frauenbelange eingesetzt hatten. Katô Shidzue nahm in dieser Runde eine prominente Rolle ein und verkündete als erste Japanerin im November 1945 ihre Kandidatur für die ersten Wahlen, zu denen Frauen zugelassen wurden.129 Die Art der „demokratischen Revolution“, die Shidzue begrüßte, bedeutete für sie die Verwirklichung einer Demokratie nach amerikanischem Vorbild und die Gleichberechtigung von Männern und Frauen.130

Heutige Feministinnen werfen ihr vor, dass sie das nationalistische Bild der „ryôsai kenbô“, der weisen Ehefrau und guten Mutter, weiter tradierte. Sie betonte nämlich, dass auch innerhalb des Konzepts der Gleichheit der Geschlechter, „Frauen eine spezielle und wichtige Mission haben, Kinder auszutragen und aufzuziehen“.131 Weiters forderte sie den Premierminister auf, „die schönen Tugenden und Sitten des traditionellen Familiensystems“ zu erhalten.132 Sie sah die Aufgaben der Frauen in der japanischen Nachkriegsgesellschaft weiterhin als gute Ehefrauen und weise Mütter, wenn sie diese Rolle auch auf eine als „Mutter für unsere Gesellschaft als Ganzes“ ausweitete und eine dementsprechende andere Erziehung der Mädchen als in der Vergangenheit forderte, nämlich eine, die nicht mehr auf feudalistischen Moralnormen beruhte.133

Gemeinsam mit den Vertreterinnen der amerikanischen Besatzung und anderen japanischen Frauen arbeitete sie in von den Amerikanern, an der Spitze Ethel B. Weed, initiierten Basisbewegungen, die das Land überzogen. Sie reisten bis in entlegene Gegenden und brachten mit Hilfe von Filmen, Radioprogrammen, Zeitungsartikeln, Broschüren, Seminaren, Vorträgen und Rollenspielen etc. Japanerinnen den Inhalt dessen nahe, was die amerikanische Besatzung unter demokratischer Revolution und Gleichberechtigung verstand. Japanische Frauen wurden zur „amerikanischen Weiblichkeit und Häuslichkeit“ ermutigt.134 Sie lernten und übten aber auch demokratische Abläufe vom privaten bis in den staatsbürgerlichen Bereich in Rollenspielen und Workshops. So schrieb Ethel B. Weed eine Broschüre „ Procedures for Democratic Organization“, die als Radiosketches im NHK dramatisiert wurde.135

Unter anderem entstand 1946 unter Weed´s Befürwortung die Organisation „Fujin Minshu Kurabu“ (Klub Demokratischer Frauen), der auch eine Zeitung herausgab. Viele prominente japanische Frauen waren beteiligt, unter anderen Katô Shidzue und Miyamoto Yuriko.

Miyamoto Yuriko wurde 1899 geboren. Sie prägte die japanische Literatur als linke Schriftstellerin. Einer ihrer berühmtesten Romane ist „Nobuko“, erschienen 1924. Sie schildert darin, autobiographisch beeinflusst, wie eine Frau sich aus ihrer ersten Ehe befreit. Miyamoto selbst lebte nach ihrer Trennung anschließend sechs Jahre mit Yuasa Yoshiko, einer Übersetzerin russischer Literatur, zusammen, drei Jahre davon in der Sowjetunion. 1931 trat Yuriko in die damals illegale kommunistische Partei ein, 1932 heiratete sie den kommunistischen Literaturkritiker und Politiker Miyamoto Kenji, der die Zeit von 1933 bis 1945 als politischer Häftling verbrachte. Er war einer der politischen Gefangenen, die auf Anordnung der amerikanischen Besatzung im Oktober 1945 frei kam. Auch Miyamoto Yuriko war insgesamt zwei Jahre eingesperrt und mit Schreibverbot belegt. In den Nachkriegsjahren bis zu ihrem Tod 1951 schuf sie weitere Romane, setzte sich für Frauenbelange ein und war wieder in der kommunistischen Partei tätig.136 Katô Shidzue und Miyamoto Yuriko vertraten völlig konträre Meinungen über „Demokratie“. Für Katô war Demokratie im Westen zu Hause, für Miyamoto, die mit der Kommunistischen Partei eng verbunden war, war China das Beispiel einer wirklichen Demokratie, während sie westliche Vorstellungen als „bürgerliche Demokratie“ bezeichnete. Andere linke Frauen sahen in der Sowjetunion die ideale demokratische Gesellschaft. Bald überwarfen sich die Anhängerinnen der beiden Gruppen, Katô und ihre Unterstützerinnen zogen sich aus der Organisation zurück und der Klub bzw. seine Zeitung wurden ein Medium der linken Frauen, in dem sie ihre Kritik an der Besatzungspolitik äußerten.137

Hier eine Zusammenfassung dessen, was heute von feministischen Historikerinnen wie Mire Koikari an der Frauenpolitik der Nachkriegsjahre als „cold war feminism“ kritisiert wird:

1. Die amerikanische Besatzung sah die japanischen Frauen aus einem überheblichen orientalistischen Blickwinkel. Für sie waren diese „die unglücklichsten Frauen der Welt“ 138, arme hilflose Opfer des männlichen japanischen Chauvinismus, und deshalb ideale Objekte für westliche Rettungsmaßnahmen und Emanzipationspolitik.139 Amerikanische Frauen, die ihrer eigenen Meinung nach die egalitäre demokratische Gesellschaft verkörperten, setzten sich in der Folge für die Emanzipation anderer unterlegener (im Originaltext „inferior“) Frauen ein. Diese Sicht der japanischen Frauen, die selbst unfähig zu irgendeiner Handlung sind, machte auch deren Beteiligung am japanischen Kolonialismus undenkbar. Sie konstruierte ein Bild, das sowohl Amerikanerinnen wie auch Japanerinnen nur als „unschuldige Zuschauerinnen“ der Geschichte darstellt und ihre Beteiligung an den historischen Abläufen völlig ausblendet.140

2. Demzufolge war die Gleichberechtigung nach dem Krieg ein Geschenk der amerikanischen Besatzung an diese armen und hilflosen Frauen, ein Standpunkt, der die jahrzehntelangen Kämpfe japanischer Feministinnen um staatbürgerliche und individuelle Rechte nicht zur Kenntnis nimmt. Er übersieht auch, dass die japanische Regierung nach dem Krieg von selbst geneigt war, den Forderungen der japanischen Feministinnen zu entsprechen. Denn in der japanischen Regierung vertrat man damals die Auffassung, dass die japanischen Frauen sich durch ihre Mitwirkung im Krieg das Recht zu wählen erworben hätten. Außerdem erhoffte man in den Frauen der Mittel- und Oberschicht eine konservative stabilisierende Kraft, die als Gegengewicht gegen die radikalen männlichen Kandidaten aus der Arbeiter- und Pächterschicht wirken würden.141

3. Die Besatzungspolitik wendete sich nur an die Frauen der Mittelschicht und erfasste auch nur dieses Segment der Bevölkerung. Sie vertrat eine Mittelklassenideologie.142 Die Frauen verharrten in den klassischen traditionellen Rollen, minimal ausgeweitet. Bis zum Ende der Besatzung beinhaltete „Befreiung“ und „Demokratisierung“ für japanische Frauen nur ein Mehr an „Gleichheit“ und „Freiheit“ innerhalb der ehelichen Beziehungen. Als Vorbild wurden Frauen wie die Gattin von General Mac Arthur hingestellt. So las man in der New York Times: „Als Frau des Supreme Commander könnte sie wie eine Königin regiert haben. Sie wählte es, Hausfrau zu bleiben. Die Japaner applaudierten zu dieser Entscheidung… General Mac Arthur liebt es zu kämpfen. Aber am Ende des Tages, wenn er heimkommt, vom Krieg oder vom Büro, ist das erste, dass er seine Frau umarmt. `Hallo, Boss´, sagt sie immer.“143 Die kultivierte Ehegattin wurde das Ideal, und ein „Kult der Häuslichkeit“ setzte ein.144 Wie auch im Westen wurde etwa die „amerikanische Küche“ ein Begriff und erstrebenswertes Gut. Für die Japanerinnen symbolisierte sie wie auch amerikanische Mode, amerikanische Supermärkte, Haarstile und Kosmetika die Überlegenheit der amerikanischen Weiblichkeit und weckten den Wunsch, es ihr nachzutun.

4. Diese die Frauen faszinierenden Elemente der amerikanischen Kultur waren gleichzeitig wirksame Mittel, um die amerikanische Demokratie „zu verkaufen“145, und somit waren sie Kampfmittel im Kalten Krieg. Denn in der Phase des Kalten Krieges wurden Frauen sowohl in Amerika wie auch in Japan in die Grenzen der bürgerlichen und „heteronormativen“ Familie verwiesen. Frauen wurden direkt und indirekt aufgefordert bzw. ermutigt, sich von der Arbeitswelt, in die sie während des Krieges vorgedrungen waren, zurückzuziehen. Dieser Prozess musste aber vor sich gehen, ohne das Image der USA – im Gegensatz zu den kommunistischen Staaten – als Inbegriff der Freiheit, Gleichheit und demokratischen Rechte zu beschädigen. Die Rhetorik der Emanzipation und sozialen Veränderung durfte anderseits keinesfalls zu verstärkten Bemühungen der Frauen um Freiheit und Autonomie führen. So diente das Beispiel der „japanischen Frauen“ während des Kalten Krieges auch dazu, um amerikanische Frauen still zu halten.146

Die Befreiung der japanischen Frauen durch die Besatzung und ihr verbesserter Status waren zentral für die US-Propaganda im Kalten Krieg.147 Die US-Absicht war es, aus den japanischen Frauen konservative Verbündete für die Vereinigten Staaten zu machen, die durch ihr neues Wahlrecht die japanische Politik mitbestimmen konnten.148

5. Ausgeblendet wurden die Frauen der Arbeiterschicht bzw. die in den linken Bewegungen tätigen Frauen. Tatsächlich gab es in der radikalen linken Arbeitermobilisierung, die damals von der Japanischen Kommunistischen Partei angeführt wurde, in den ersten Kriegsjahren eine starke Aktivierung der Frauen. Sie legten allerdings eine Art Weiblichkeit an den Tag, die jener der Mittelklasse-Frauen und dem für diese erwünschten Frauenbild diametral entgegengesetzt war. Sie verlangten in den Betrieben bessere Löhne und Arbeitsbedingungen und von den Gewerkschaftskollegen weniger Sexismus und radikalere Aktionen. Bei Demonstrationen standen sie in der ersten Reihe und schwenkten Plakate und Fahnen. Sie solidarisierten sich untereinander und schlossen sich der Women´s International Democratic Federation an, einer prokommunistischen internationalen Vereinigung. Wie schon erwähnt, waren ihre Vorbilder sowjetische und chinesische Frauen. Aus diesem Blickwinkel öffnet sich eine ganz andere Beurteilung der amerikanischen Besatzungspolitik. Von dieser Warte aus erscheint die Okkupation als unterdrückend und ausbeuterisch. Sie schränkte die Gewerkschaftsarbeit der Frauen ein, ebenso wie ihre wirtschaftlichen und politischen Rechte. Die Besatzung, so diese Sicht, behinderte die demokratische Emanzipation der japanischen Frauen eher als sie zu fördern.149

6. Kritische Argumente wie die eben angeführten werden aber überschattet von der Erzählung der erfolgreichen Demokratisierung. Die Version der demokratischen Emanzipation japanischer Frauen durch die amerikanische Besatzung wird, so die Kritik, heute vom Großteil der Frauenforschung unterstützt und von Zeitzeuginnen wie Beate Sirota Gordon oder Ethel B. Weed mit dem Stempel der Authentizität versehen.150


Geisha girl und Pan Pan girl

In einem Punkt fanden sich die Feministinnen aus der Mittelklasse und die Frauen der linken Arbeiterbewegung. Beide betonten ihre sexuelle Achtbarkeit und verlangten von der Besatzung, dass sie zwischen „anständigen“ und „unanständigen“ Frauen unterscheide.151 

Das Thema „Japanische Frauen in den ersten Nachkriegsjahren und ihr Verhältnis zu der siegreichen amerikanischen Besatzung“ kann man unter zwei Blickwinkeln betrachten: Da ist einerseits die besprochene rechtliche Gleichstellung für alle Japanerinnen. Auf der anderen Seite stehen Klischeebilder wie das „Geisha girl“ und das „Pan Pan girl“ im Rampenlicht, anders gesagt, das erotische und sexuelle Verhältnis, das ein Teil der japanischen Frauen mit den Besatzungsvertretern einging. Eine Betrachtung dieses Phänomens enthüllt die Doppelmoral der japanischen Regierung, der japanischen Gesellschaft insgesamt und der amerikanischen Besatzung. So wie auch schon während des Krieges zog man eine scharfe Trennlinie zwischen den Frauen, die als geeignet für sexuelle Dienste angesehen wurden und jenen, deren Reinheit beschützt und geschützt werden musste. Bereits im August 1945, zwischen dem 15. und dem 30., als die amerikanischen Truppen ankamen, wurde die Tôshoku Ian Shisetsu Kyôkai, „Vereinigung von Spezial-Trosteinrichtungen“ gegründet. Im Englischen hieß die Vereinigung, die die Prostitution für die alliierten Soldaten organisierte, „Recreation and Amusement Association – RAA“. Das erste RAA-Bordell öffnete am 27. August 1945 seine Pforten. Ein Ende fanden die Besatzungsbordelle mit dem 27. März 1946. Währenddessen beschäftigten sie 55 000 bis 70 000 Frauen.152

Hintergrund war die massive Angst der Bevölkerung vor Vergewaltigungen durch die Besatzungsmächte. Der Tokyoter Polizeibericht vom 20. August 1945 hält fest, dass die größte Sorge der Bewohner von Tokyo „die Angst vor brutaler Vergewaltigung von Frauen und Mädchen“ sei. Die Forderung nach „Trosteinrichtungen“ – ein Euphemismus für Bordelle, der schon während des Krieges gebraucht worden war - für die Besatzungsarmee wurde laut, und kam besonders von Frauen und Mädchen.  Ein Erlass aus dem Innenministerium an die Gouverneure der Präfekturen und den Chef der Polizei von Tokyo besagte, dass die Polizeichefs spezielle Standpunkte für die sexuelle Unterhaltung der Besatzungstruppen bestimmen sollten und dass Japanern die Benützung der Einrichtungen untersagt sei. Was die Anwerbung von Frauen für die sexuellen Dienstleistungen betraf, solle man sich in erster Linie an „Geisha, zugelassene und nicht zugelassene Prostituierte, Kellnerinnen, Dienstmädchen, und an Frauen wenden, die wiederholt wegen illegaler Prostitution inhaftiert waren.“

In Hokkaidô, wo Imai Yasuko und ihre Familie lebten – Yasuko war damals 12 Jahre, ihre Schwester Yumiko 13 Jahre alt – begann die amerikanische Besatzung am 4. Oktober 1945. Aus Yasukos Erinnerungen geht nicht hervor, dass die Familie sich vor sexuellen Übergriffen durch die Besatzungssoldaten gefürchtet hätte. Aber auch in Hokkaidô richtete man gezielt „Trostdienste“ ein. Am 30. Oktober wird berichtet, dass die neue Abteilung der Bezirkspolizeidirektion für den Öffentlichen Frieden sich seit dem 5. Oktober darauf konzentriert hätte, spezielle Trosteinrichtungen für die Allied Forces in Sapporo und vier anderen Städten in Hokkaidô zu schaffen. Dem Plan entsprechend, bereits vorhandene einschlägige Häuser und kleine Restaurants zu nutzen und sie mit ausreichend Trostfrauen zu füllen, hätten entsprechende Häuser freiwillig zugemacht und neu als „Restaurants“ für die amerikanischen Soldaten eröffnet. Als Ergebnis der Anwerbungsbemühungen für Trostfrauen seien die vorhandenen zirka 450 Frauen auf mehr als 770 Frauen aufgestockt worden. Dank dieser dringenden Schritte in Bezug auf „Trost“ sei es bisher praktisch zu keinen Vorfällen gekommen, in die Frauen involviert waren, und alles laufe weiterhin glatt. Mit den „aufgestockten Frauen“ meinte man offensichtlich Prostituierte oder andere Angehörige des Unterhaltungsgewerbes, mit den Frauen, die in keine Vorfälle involviert waren, die schützenswerten Frauen und Mädchen von Hokkaidô.

Diese speziellen Einrichtungen für die Besatzungsarmee gab es aber nur ein halbes Jahr. Am 25. März 1946 verbot das Hauptquartier der 8. US-Armee, die in Japan stationiert war, ihren Soldaten, Prostitution welcher Art auch immer in Anspruch zu nehmen und ein für Prostitution vorgesehenes Etablissement zu betreten. Diese Art von Prostitutionseinrichtungen verschwand darauf, nicht aber die Prostitution zwischen den Besatzern und japanischen Frauen. Die Ursache für das Verbot war die Tatsache, dass sexuell übertragbare Krankheiten sich bei den Besatzungssoldaten rapide ausgebreitet hatten.153 Geschlechtskrankheiten, Moralfragen und Prostitution wurden in der Zeit des Kalten Krieges von der amerikanischen Besatzung aber eng mit der kommunistischen Bedrohung verbunden. Geschlechtskrankheiten beim Militär bedeuteten eine Bedrohung der nationalen Sicherheit, des amerikanischen „way of life“ und der Demokratie. Frauen der Arbeiterklasse wurden mit dieser doppelten Bedrohung des Kommunismus und der moralischen Verrohung in Zusammenhang gebracht. Durch ihre ungebärdige und unkontrollierbare Sexualität würden sie den Erfolg der Besatzungspolitik gefährden. Militärische, religiöse und medizinische Institutionen wurden eingesetzt, um die Sexualität zwischen amerikanischen Soldaten und japanischen Frauen zu regulieren und zu rehabilitieren.154

Der Schutz anständiger japanischer Frauen vor der ausländischen männlichen Sexualität wurde von japanischer Seite offiziell als „Nachkriegsnotmassnahme von nationaler Bedeutung“ bezeichnet, ihr Ziel war der Schutz der sogenannten „anständigen“ Frauen, die die nationale und rassenmäßige Reinheit verkörperten. Die Frauen, die von der RAA angeworben wurden, bezeichnete man als `bôhatei´ oder menschliche Wellenbrecher.155 Diese Frauen waren meist nicht professionelle Prostituierte, sondern heimatlose, mittellose, verwaiste und verzweifelte junge Mädchen, wie es sie in der Nachkriegszeit zu Tausenden gab. 156 Als Mac Arthur nach kurzer Zeit die Besatzungsbordelle verbot, wurden diese jungen Frauen in buchstäblichen Sinn auf die Straße geworfen. Vielen blieb nichts anderes übrig, als ihre Arbeit hier als „pan pan girls“, übersetzt mit „Straßenmädchen“ oder „Prostituierte“, fortzusetzen. „Pan pan“ ist ein abwertender Begriff für Frauen, die während der Besatzungszeit für Geld mit ausländischen Soldaten Sex Hatten. Der Ausdruck „Pan pan girl“ rührt laut Internet-Lexikon Wadoku vom amerikanischen Begriff „Pom-pom girl“ her. Die Schließung der offiziellen Bordelle dämmte weder die „Fraternisierung“ der amerikanischen Soldaten mit den japanischen Frauen noch die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten ein. Die Kontakte passierten nur ohne offiziellen Segen und medizinische Kontrolle.157

Die Besatzung beeinflusste weiters die japanische Regierung, die Prostitutionsgesetze zu ändern. So wurde 1946 die Gesetzgebung, die seit 1900 die zugelassene Prostitution regelte, abgeschafft, die japanische Regierung hob die Prostitutionsverträge auf und richtete Wohlfahrtszentren für die betroffenen Frauen ein. Ein kaiserlicher Erlass von 1947 setzte Personen, die Frauen zur Prostitution veranlassten, unter Strafe. Das bedeutete ein zumindest offizielles „Aus“ für den einschlägigen und einträglichen „Handel“ mit jungen Mädchen, die über Mittelsleute von der bitterarmen Landbevölkerung in die Prostitution verkauft worden waren. Gänzlich verboten wurde die Prostitution erst 1956 mit dem Baishun Bôshi Hô, dem Gesetz zur Verhinderung von Prostitution. Dieses Gesetz wird oft als ein Triumph der weiblichen Abgeordneten im Nachkriegsparlament hingestellt. „Wir müssen die geschätzten 500 000 Prostituierten bestrafen, um das Leben von 40 Millionen Hausfrauen zu schützen“, war das Statement einer Verfechterin des Verbotes der Prostitution. Ein Riesenproblem war es jedoch auch in diesem Fall, für die Frauen aus der nun verbotenen Prostitution neue Arbeitsmöglichkeiten zu finden. Viele arbeiteten weiter in diesem Metier, denn Prostitution existierte trotz des Verbotes bis heute. In jeder japanischen Stadt gibt es Bezirke, die dem mizu shôbai, dem Unterhaltungsgewerbe, gewidmet sind. Dort finden sich alle Formen sexueller Dienstleistungen und erotischer Vergnügungen, oft unter euphemistischen Umschreibungen, wie „Soapland“, Türkisches Bad oder Massagesalon. 158


Gegenseitige Klischees

Aber es gibt auch noch eine andere Seite der Beziehung zwischen japanischen Frauen und amerikanischer Besatzung, die Imai Yasuko eher prägte oder zumindest beeindruckt haben dürfte. Später kritisierte sie zwar die japanische Prostitution und sagte einmal, alle japanischen Frauen seien Prostituierte, weil sich auch die sogenannten anständigen Frauen durch Heirat an Männer verkaufen. Damals jedoch, an der Schwelle vom Kind zum jungen Mädchen und umgeben von einem behüteten Elternhaus und Freundinnen aus der Mittelschicht, dürfte die amerikanische Besatzungszeit ihr idealisiertes Bild vom Westen, das sie aus ihrer Kindheit mitbrachte, noch verstärkt haben.

Gegenseitige Klischees beherrschten die Szene. Für die US-Besatzer waren japanische Frauen Verbündete in der Verbreitung der Demokratie, sozusagen die „gute Hälfte“ der Bevölkerung Japans. Sie hatten im Krieg keine Schuld auf sich geladen, denn sie waren die Opfer des männlich dominierten Militärstaates. Nach dem Krieg waren sie nicht nur dankbare Objekte der amerikanischen Befreiung, sondern wie geschildert aktiv mit von der Partie bei der Verbreitung der Demokratie.159 Gleichzeitig damit beflügelten sie die Phantasie, vor allem der Männer, als „Butterfly“ und „Geisha girl“.160 Diese Vorstellungen von japanischen Frauen machten amerikanische Männer neugierig, und es gab viele, die sich als „liebende, unterstützende `demokratische´ Ehemänner japanischer Frauen sahen, die sie aus einem mittelalterlichen patriarchalen System befreit hatten.“161

Japanerinnen ihrerseits hatten oft eine romantische Vorstellung von emanzipierten westlichen Frauen 162 und auch von den westlichen Männern. Die beschützerische Attitude und die Höflichkeit der Sitten wie „Ladies first“ beeindruckten sie. Yasuko ist dafür ein Beispiel. Wie sehr sie in den ersten Kriegsjahren das idealisierte Bild der amerikanischen, das heißt, der westlichen Männer und Frauen in sich aufnahm, ist nicht überliefert. Ich nehme aber an, dass die von der Besatzung geprägten Medien und westliche Kinofilme ihr Bild der westlichen Frauen stark mitgeformt haben. Es ist das widersprüchliche Bild von Frauen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen und emanzipiert sind, und das, selbst wenn sie beschließen, ihr Leben als Ehegattin, Hausfrau und Mutter zu führen. Selbst ihr Verzicht auf eigene Entfaltung in einer Berufstätigkeit wird in dieser Vorstellung zu einer Handlung, die auf freiem Willen und auf eigener Entscheidung beruht. Japanische Frauen jedoch fügen sich nach Meinung Imai Yasukos – und wohl auch zahlreicher westlicher Menschen - , ohne nachzudenken oder zumindest mit Resignation den gesellschaftlichen Normen. Imai Yasuko selbst passte sich jedoch keineswegs diesem Bild der japanischen Frauen an, das sie selbst hatte – und bis zu ihrem Tod kritisierte.


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Kishi Nobusuke:http://de.wikipedia.org/wiki/Kishi_Nobusuke , 11.3.2001, 11.09 Uhr

Koseki-hô: http://www.houko.com/00/01/S22/224.HTM, 4.3.2001, 10.39 Uhr

Kurilenkonflikt: http://de.wikipedia.org/wiki/Kurilenkonflikt , 11.3.2011, 11.43 Uhr

Margaret Sanger: http://de.wikipedia.org/wiki/Margaret_Sanger, 18.3.2011, 09.51 Uhr

Miyamoto Yuriko: http://de.wikipedia.org/wiki/Miyamoto_Yuriko, 4.4.2011, 11.22 Uhr

Parlament: http://de.wikipedia.org/wiki/Kokkai, 14.4.2011, 10.54 Uhr

Selbstverteidigungsstreitkräfte: http://de.wikipedia.org/wiki/Selbstverteidigung, 12.8.2011, 09.29 Uhr

Verfassung: http://en.wikisource.org/wiki/Constitution_of_Japan#CHAPTER_IV._THE_DIET, 14.4.2011, 10.49 Uhr



Anmerkungen:

1 Der Artikel wurde der in Arbeit befindlichen Biographie „Imai Yasuko und ihre Welt“ entnommen und leicht abgewandelt.

2 Tonbandaufnahme Imai Yasuko, 2000, CD4/4/7-8

3 Koikari (2008): 2

4 Hopper (2004) :99

5 Siehe dazu http://www.ruthlinhart.com/japan_35.htm, Japanische Frauen und der Fünfzehnjährige Krieg, Kapitel "Die Haltung der Feministinnen".

6 Mackie (2003): 120f

7 Zöllner (2009): 385

8 Zöllner (2009): 386, Mackie (2003): 121

9 Zöllner (2009): 385

10 Gordon (2003): 234-236

11 Zöllner (2009): 386

12 McClain (2002): 518, Mackie (2003): 121

13 Gordon (2003): 230

14 McClain (2002): 528

15 Zöllner (2009): 389

16 Krebs (2009): 96

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18 http://en.wikipedia.org/wiki/Liberal..., 11.8.2011, 09.52 Uhr

19 Uchida (1987): 307

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21 McClain (2002): 518

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23 Gordon (2003): 229-231

24 Koikari (2011): 33

25 Lokowandt (2001): 57, Krebs (2009): 91

26 Beauchamp, Vardaman (1994): 76

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29 McClain (2002): 529

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33 Zöllner (2009): 388, Krebs (2009): 94

34 Krämer (2006): 206-207

35 Krebs (2009): 95

36 Mackie (2003): 131

37 Mac Clain (2002): 546

38 Mc Clain (2002): 538-539

39 Mehr über Japans Judenpolitik während des Krieges siehe Martin Kaneko (2008).

40 Sirota (2001): 106

41 Sirota (2001): 107-108

42 Koikari (2011): 31

43 Sirota (2001): 121-124, Zöllner (2009): 391

44 Zöllner (2009): 392

45 McClain (2002): 542

46 Krebs (2009): 91

47 http://en.wikisource.org/wiki/Constitution..., 14.4.2011, 10.49 Uhr

48 http://de.wikipedia.org/wiki/Kokkai, 14.4.2011, 10.54 Uhr

49 Nabers (2007): 3-4

50 zitiert nach Nabers (2007): 4

51 Nabers (2007): 4

52 http://de.wikipedia.org/wiki/Selbstverteidigung.../A>, 12.8.2011, 09.28 Uhr

53 Kido (2007): 3

54 Übersetzung aller Verfassungsartikel: http://web.archive.org/web/20070519022015/www.cx.unibe.ch..., 1.3.2011, 10.44 Uhr

55 Mackie (2003): 127-129

56 Mackie (2003): 129

57 Unter anderen Neuss-Kaneko (1990): 102

58 McClain (2002): 549

59 Mackie (2003): 130

60 McClain (2002): 549

61 Westhoff (1999): 236

62 Westhoff (1999): 22-24

63 Westhoff (1999): 81-83, Neuss-Kaneko (!990): 102-103, Hopper (2004): 93

64 Mackie (2003): 130

65 Westhoff (1999): 236-237

66 http://www.houko.com/00/01/M31/009.HTM#top 4.3.2011, 10.06 Uhr

67 Westhoff (19999): 237 , Neuss-Kaneko (1990): 104

68 Neuss-Kaneko (1990): 105

69 http://www.houko.com/00/01/M31/009.HTM#top, 18.2.2011, 11.06 Uhr

70 http://ja.wikipedia.org/wiki, 4.3.2001, 10.23 Uhr

71 Westhoff (1999): 213

72 http://ja.wikipedia.org/wiki/%E5%88%86%E7%B1%8D%E5%B1%8A, 22.11.2011, 11.34 Uhr

73 Imai Yasuko, Interview 2006, WS_30040/0-19

74 Imai Yasuko Interview 91103, sensô 4/5-7

75 Übersetzung aus:
http://web.archive.org/web/20070618190139/www.cx.unibe.ch..., 30.1.2011, 9.30 Uhr;
Japanischer Text:
Subete kokumin ha, hôritsu no sadameru tokoro ni yori, sono nôryoku ni ôjite, hitoshiku kyôiku wo ukeru kenri wo yôsuru. Subete kokumin ha, hôritsu no sadameru tokoro ni yori, sono hogo suru jijo ni futsûkyôiku wo ukesaseru gimu wo ofu. Gimukyôiku ha, kore wo mushô to suru. http://www.houko.com/00/01/S21/000.HTM, 30.1.2011, 9.38 Uhr.
Heute würde man wohl übersetzen: „Alle Bürgerinnen und Bürger ….“.

76 Die Übersetzungen der Gesetzestexte sind von mir übersetzte Zitate aus den von Beauchamp, Vardaman, Japanese Education since 1945, 101-109, publizierten englischen Übersetzungen, die japanischen Zitate stammen aus der Website http://roppou.aichi-u.ac.jp/joubun/s22-26.htm, 1.2.2011, 10.12 Uhr,

77 Beauchamp, Vardaman (1994): 8

78 Die Übersetzungen der Gesetzestexte sind von mir übersetzte Zitate aus den von Beauchamp, Vardaman, Japanese Education since 1945, 109-119, publizierten englischen Übersetzungen, der japanische Text stammt aus der website http://www.kyouiku-net.org/data/47kyoukihou.pdf, 1.2.2011, 11.24 Uhr.

79 Das Erziehungsgrundgesetz von 1947 ist überholt. Am 22.12.2006 wurde ein neues Erziehungsgrundgesetz beschlossen. In diesem fehlt ein Hinweis auf Koedukation völlig, obwohl Koedukation sich auch in öffentlichen Schulen noch immer nicht ganz durchgesetzt hat. Auch im neuen Erziehungsgrundgesetz wird auf die Wertschätzung des Individuums Bezug genommen und darauf hingewiesen, dass zum Geist der Selbstständigkeit und Unabhängigkeit erzogen werden soll (Artikel 2, Absatz 2). Auch auf die Gleichberechtigung von Frau und Mann als Erziehungsziel wird verwiesen (Artikel 2, Absatz 3). Und der Absatz über Gleichberechtigung in der Erziehung beinhaltet das Verbot der Diskriminierung der Geschlechter (Artikel 4, Absatz 1). Während die Koedukation kein in der Öffentlichkeit groß diskutiertes Thema war, entwickelten sich über andere neue Inhalte heftige weltanschauliche öffentliche Debatten. Umstrittene Themen waren die Verankerung der Moralerziehung – statt wie bis zum Kriegsende „shûshin“ nun „dôtoku“ genannt – im Unterricht sowie die Aufforderung,, die Tradition wichtig zu nehmen und das eigene Land (wagakuni) und die Heimat zu lieben. Also die Aufforderung zum Patriotismus. Ein solcher Bezug hatte im Gesetz von 1947 völlig gefehlt. Weiters hieß es im Gesetz von 1947, dass die Erziehung gegenüber dem gesamten Volk Verantwortung habe, während es im Gesetz von 2006 nur mehr heißt, dass die Erziehung auf den Gesetzen beruhe. Neu ist im Gesetz von 2006 u.a. auch, dass zum Wichtignehmen der Natur und Bewahrung der Umwelt erzogen werden solle. (Siehe http://law.e-gov.go.jp/htmldata/H18/H18HO120.html und http://ja.wikipedia.org/wiki/ ).

80 Beauchamp, Vardaman (1994): 6

81 Beauchamp, Vardaman (1994): 52

82 Krämer (2006): 159-160

83 Krämer (2006): 194

84 Krämer (2006): 147

85 Krämer (2006): 143

86 Beauchamp, Vardaman (1994): 47, 100

87 Krämer (2006): 206

88 Beauchamp, Vardaman (1994): 54

89 Krämer (2006): 163

90 Krämer (2006): 174

91 Nihonfujin-dantai-rengokai (2010): 278

92 Krämer (2006): 187-188

93 Tsuda Umeko war eines der fünf Mädchen gewesen, die im Jahre 1871 an der Iwakura-Mission teilgenommen hatten – jener fast zweijährigen Reise nach Amerika und Europa von japanischen Politikern, Intellektuellen und Studenten, während der der spätere Premierminister und maßgebliche Autor der japanischen Verfassung Ito Hirobumi wesentliche Anregungen empfangen hatte. Tsuda Umeko war aber in den Vereinigten Staaten bei Pflegeeltern geblieben und besuchte dort 12 Jahre die Schule. Nach ihrer Rückkehr arbeitete sie als Lehrerin bis sie die Tsuda Joshi Eigaku Juku gründen konnte (siehe Furuki, The white plum). Die Bildungseinrichtung besteht noch heute und wurde nach dem Krieg in den Rang einer Universität erhoben, Tsuda Juku Daigaku bzw. Tsuda College.

94 Krämer (2006): 154-155

95 Krämer (2006): 170-171

96 Krämer (2006): 254

97 Krämer (2006): 209

98 Krärmer (2006): 254

99 Krämer (2006): 210

100 Krämer (2006): 181

101 siehe dazu auch Linhart Ruth (1981)

102 Koikari (2008): 127

103 Mackie (2003): 131

104 Gordon (2003): 238

105 Zöllner (2009): 393

106 Zöllner (2009): 3393, McClain (2002): 552

107 MacClain (2002): 553

108 Krebs (2009): 99

109 Mackie (2003): 125-126

110 http://de.wikipedia.org/wiki/Kalter_Krieg, 11.3.2011, 10.26 Uhr

111 Gordon (2003): 240

112 McClain (2002): 550, Koikari (2008): 8

113 Krebs (2009): 103

114 Krebs (2009): 99, 110

115 Koikari (2008): 143

116 Zöllner (2009): 395-396

117 Gordon (2003): 239-240

118 http://de.wikipedia.org/wiki/Kishi_Nobusuke , 11.3.2001, 11.09 Uhr

119 Sakamoto (1987): 42-43

120 http://de.wikipedia.org/wiki/Kurilenkonflikt, 11.3.2011, 11.43 Uhr

121 Krebs (2009): 105

122 McClain (2002): 558

123 Zöllner (2009): 397-398

124 Pharr (1987): 222

125 Pharr (1987): 241

126 Zum Beispiel in den Publikationen von Mire Koikari und Lisa Yoneyama

127 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Margaret_Sanger, 18.3.2011, 09.51Uhr

128 Tomida (2004): 391-393, Hopper (2004)

129 Hopper (2004): 101

130 Hopper (2004): 104

131 Koikari (2010): 70-71

132 Koikari (2010): 69

133 Koikari (2010): 72

134 Koikari (2010): 107

135 Koikari (2010): 116

136 http://de.wikipedia.org/wiki/Miyamoto_Yuriko, 4.4.2011, 11.22 Uhr

137 Koikari (2010): 99

138 Yoneyama (2005): 890

139 Koikari (2010): 3

140 Koikari (2010): 13

141 Koikari (2010): 46-48

142 Koikari (2010): 11

143 Yoneyama (2005): 900-901

144 Koikari (2010): 23

145 Koikari (2010): 102-103

146 Yoneyama (2005): 900-901

147 Yoneyama (2005): 887

148 Koikari (2010): 14

149 Koikari (2010): 13

150 Koikari (2010): 13

151 Koikari (2010): 31

152 Mackie (2013): 153

153 Yoshimi (2000): 179-185

154 Koikari (2010): 160

155 Koikari (2010): 164

156 Kelsky (2001): 74

157 Koikari (2010): 164

158 Mackie(2003): 137-138

159 Yoneyama (2005): 892

160Yoneyama (2005): 895

161 zitiert nach Kelsky (2001): 68

162 Kelsky (2001): 67


Ruth Linhart | Japanologie | Biographieprojekt Imai Yasuko Email: ruth.linhart@chello.at